„Geisterbilder" versprechen bessere Auflösung in Raum und Zeit

Neues bildgebendes Verfahren kombiniert Beobachtungsdaten von zwei Detektoren – Scharfe und schnelle Bilder trotz störender Streueffekte
Aufbau des „Ghost Imaging“-Experimentes, um schnelle Prozesse auch bei widrigen Randbedingungen mit hoher Genauigkeit zu analysieren
Aufbau des „Ghost Imaging“-Experimentes, um schnelle Prozesse auch bei widrigen Randbedingungen mit hoher Genauigkeit zu analysieren
© Piotr Ryczkowski et al., Nature Photonics
Tampere (Finnland) - Sogenannte Geisterbilder sind die Grundlage eines neuartigen Verfahrens, um trotz störender Lichtstreuung scharfe Bilder eines Objekts aufnehmen zu können. Räumlich hoch aufgelöste Bilder etwa von Organen in stark streuendem menschlichen Gewebe konnten mit diesem „Ghost Imaging“ bereits erzeugt werden. Finnische Physiker gingen nun einen Schritt weiter und wandten das gleiche Prinzip für die Verbesserung der zeitlichen Auflösung an. Ihnen gelang der Nachweis sehr schneller Prozesse auf der Zeitskala von tausendstel milliardstel Sekunden (Picosekunde). Über ihre Ergebnisse berichten sie in der Fachzeitschrift „Nature Photonics“.

„Unsere Ergebnisse eröffnen eine neue Perspektive für die dynamische Aufnahme extrem schneller Prozesse“, erläutern Piotr Ryczkowski und seine Kollegen von der University of Technology im finnischen Tampere. Grundlage des Ghost Imaging war die Aufspaltung eines Laserstrahls in zwei infrarote Lichtsignale, die durch Glasfaserkabel geschickt wurden. Das erste Signal schwankte in seiner Intensität zufällig in Abständen von durchschnittlich 13 Picosekunden. Ohne auf das zu beobachtende Objekt – in diesem Fall eine schnelle Abfolge von optischen Impulsen aus einem Pulsgenerator – zu treffen, wurde dieses Signal mit einem schnell reagierenden Lichtsensor aufgezeichnet. Das zweite Signal dagegen traf auf die zu analysierende Pulsfrequenz. Doch nach der Wechselwirkung zwischen Signal und Pulsfrequenz wurde es mit einem langsam reagierenden Detektor aufgezeichnet.

Der Vorteil: Auch bei störender Lichtstreuung konnten immer noch Daten aufgezeichnet werden. Diese Daten erlaubten aber keine zeitliche Auflösung der optischen Impulse aus dem Pulsgenerator. Wurden nun beide Signale wieder zusammengeführt, konnte die Zeitstruktur des ersten Signals auf das ungenaue zweite Signal aufgeprägt werden. Das Ergebnis dieser Messung: Diese Signalkombination gab den exakten Verlauf der zu analysierenden Abfolge der optischen Impulse mit einer Genauigkeit von etwa 50 Picosekunden wieder.

Dieses Ziel zeitlich hoch aufgelöster Aufnahmen kann zwar auch allein mit schnell getakteten Laserpulsen erreicht werden. Doch bei einer stark lichtstreuenden Umgebung scheitern diese Nachweisverfahren. Das Ghost Imaging dagegen ermöglicht auch bei widrigen Bedingungen zuverlässige und extrem genaue Messungen mit hoher zeitlicher Auflösung. Eine mögliche Anwendung sehen die Forscher bei der optischen Datenübertragung und der Fernerkundung.

© Wissenschaft aktuell


 

Home | Über uns | Kontakt | AGB | Impressum
© Wissenschaft aktuell & Scientec Internet Applications + Media GmbH, Hamburg