Zwergstern frisst Zwergplaneten
"Die äußere Atmosphäre kühler Weißer Zwerge besteht normalerweise aus reinem Wasserstoff oder Helium", schreiben Patrick Dufour von der Université de Montréal und seine Kollegen. J0738+1835 dagegen zeige die "stärkste Verschmutzung, die wir je bei einem solchen Stern beobachtet haben." Die Anreicherung einer Sternatmosphäre mit schweren Elementen lässt sich zumeist mit dem Zustrom interstellarer Materie oder dem Einfang von Kometen und Asteroiden erklären. Doch bei J0738+1835 sind die Werte für eine solche Erklärung zu hoch.
Dufour und sein Team konnten in der Atmosphäre von J0738+1835 die Elemente Sauerstoff, Natrium, Magnesium, Silizium, Kalzium und Eisen nachweisen - in einer Zusammensetzung, die vergleichbar ist mit einem erdähnlichen, felsigen Himmelskörper. Im Spektrum des Sterns zeigt sich zudem einen signifikanter Überschuss an infraroter Strahlung, den die Forscher als Wärme einer rotierenden Scheibe aus Planetentrümmern um den Stern deuten.
Überraschend für Dufour und seine Kollegen ist der vergleichsweise geringe Anteil an Wasserstoff in der Atmosphäre des Weißen Zwergs. In unserem Sonnensystem besitzen Zwergplaneten wie Ceres einen hohen Anteil an gefrorenem Wasser. Die Forscher schließen daraus, dass der zerstörte Himmelskörper über einen längeren Zeitraum so nahe an seinem Stern gekreist ist, dass eventuell vorhandenes Wasser vor dem endgültigen Zerfall des Zwergplaneten verdampfen konnte.
