Weihnachtsmann besucht nicht nur brave Kinder

Mit welcher Wahrscheinlichkeit der Saisonarbeiter minderjährige Patienten im Krankenhaus besucht, hängt vielmehr von sozioökonomischen Faktoren der jeweiligen Region ab
Auch unartige Kinder bekommen ein Geschenk vom Weihnachtsmann.
Auch unartige Kinder bekommen ein Geschenk vom Weihnachtsmann.
© Pezibear / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de
Boston (USA) - Angeblich bringt der Weihnachtsmann nur braven Kindern Geschenke. Diese Behauptung wurde bisher noch nie durch eine wissenschaftliche Studie überprüft. Wenn sie zuträfe, müssten Kinder in Regionen mit hoher Jugendkriminalität und einer vergleichsweise großen Zahl an Schulschwänzern seltener Besuche vom Weihnachtsmann bekommen als Kinder in anderen Regionen. Für dessen Besuche in Kinderstationen von Krankenhäusern Großbritanniens gilt das jedenfalls nicht, berichtet jetzt ein amerikanisch-britisches Forscherteam im „British Medical Journal“. Dagegen erwies sich ein anderer Zusammenhang als statistisch relevant: Der Weihnachtsmann war seltener in Krankenhäusern zu Gast, die in ärmeren Landesteilen lagen. Die Forscher schlagen vor, durch Einsatz zusätzlicher lokaler Weihnachtsmänner dafür zu sorgen, dass mehr Kinder in wirtschaftlich weniger entwickelten Gegenden besucht werden können.

„Unseres Wissens ist das die erste Studie, die den Mythos widerlegt, dass der Weihnachtsmann seine Entscheidung für den Besuch eines Kindes von dessen Betragen abhängig macht“, erklären John Park und George Tse von der Harvard School of Public Health in Boston und ihre britischen Kollegen. Aufgrund der neuen Erkenntnisse stelle sich nun eine wichtige ethische Frage: Darf man Kinder darüber informieren, dass sie die Wahrscheinlichkeit, vom Weihnachtsmann beschenkt zu werden, durch besonders braves Verhalten gar nicht erhöhen können? Denn es bestünde durchaus die Gefahr, dass dann die Zahl hemmungslos ungezogener Kinder sprunghaft ansteigen könnte.

Die Forscher befragten medizinisches Personal der Kinderstationen von 186 Krankenhäusern in ganz Großbritannien, ob sie im vergangenen Jahr Besuch vom Weihnachtsmann hatten. In Nordirland war das bei 100 Prozent der 8 Hospitäler der Fall, in England, Wales und Schottland schwankten die Mittelwerte zwischen 89 und 93 Prozent. Im Großraum London lagen die Wahrscheinlichkeiten eines Besuchs im Einzelfall zwischen 50 und 100 Prozent. Als Maß dafür, wie brav die Kinder in der Region waren, in der das jeweilige Krankenhaus lag, nutzten die Wissenschaftler zwei indirekte Messdaten: die durchschnittliche Zahl der Fehltage von Schülern der dortigen Grundschulen und die registrierten Verbrechensraten für Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren. Die Erfahrung zeige, so die Autoren, dass eine Selbsteinschätzung der Kinder darüber, ob sie brav oder unartig gewesen sind, höchst unzuverlässig gewesen wäre. Als weitere mögliche Einflussfaktoren berücksichtigten die Forscher zum einen die Entfernung zwischen Krankenhaus und Nordpol – in der Luftlinie. Zum anderen bewerteten sie die wirtschaftliche Lage des Landesteils, unter anderem aus Daten zum durchschnittlichen Einkommen und Beschäftigungsstand der Bevölkerung.

Es ergab sich keine statistische Beziehung zwischen einem Weihnachtsmannbesuch und der Zahl schulischer Fehltage, der Jugendkriminalität oder der Entfernung zum Nordpol. Dagegen sank die Wahrscheinlichkeit eines Besuches um bis zu 31 Prozent bei schlechten finanziellen Verhältnissen der regionalen Bevölkerung. Die vorliegenden Ergebnisse ließen keine Aussagen über die möglichen Ursachen dieses Zusammenhangs zu, schreiben die Autoren. Auch über andere Einflussfaktoren wie die Qualität einer dem Besucher möglicherweise angebotenen Bewirtung oder die Parkmöglichkeiten für Rentierschlitten in der Nähe des Krankenhauses gebe es keine näheren Informationen. Ein erwähnenswerter Nebenbefund der Studie: Viele Kinderstationen empfingen an Weihnachten noch andere ungewöhnliche Besucher. Am häufigsten waren das Elfen, Clowns und bekannte Fußballer, daneben auch Eiskönigin Elsa, Batman und Spiderman.

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