Warum sind manche Weibchen schön?

Äußere Merkmale weiblicher Attraktivität müssen sich durch andere Mechanismen entwickelt haben als vergleichbare Merkmale bei Männchen
Die orangen Kehlflecke des weiblichen Stachelleguans Sceloporus virgatus signalisieren Paarungsbereitschaft und weisen auf die Qualität der Eier hin.
Die orangen Kehlflecke des weiblichen Stachelleguans Sceloporus virgatus signalisieren Paarungsbereitschaft und weisen auf die Qualität der Eier hin.
© Stacey Weiss, University of Puget Sound
Durham (USA) - Ein farbenprächtiges Gefieder, eine Löwenmähne oder ein mächtiges Geweih: Die Männchen vieler Tierarten haben auffallende körperliche Merkmale, die ihre Qualität als Sexualpartner anzeigen und für Weibchen attraktiv sind. Diese Merkmale haben sich durch sexuelle Selektion entwickelt, das heißt durch die Partnerwahl der Weibchen. Weibliche Tiere sind meist deutlich unauffälliger als die männlichen Artgenossen. Doch Weibchen einiger Arten, darunter Krebse, Reptilien und Primaten, zeigen ebenfalls schmückende körperliche Merkmale. Diese lassen sich aber nicht durch denselben Mechanismus der sexuellen Selektion erklären wie bei den Männchen, berichten jetzt zwei amerikanische Biologinnen im Fachblatt „Evolution“. Mit Hilfe einer Simulation von Evolutionsprozessen konnten sie nachweisen: Äußere Merkmale von Attraktivität bei Weibchen mit hoher Fruchtbarkeit können nicht allein dadurch entstanden sein, dass sie von Männchen bevorzugt begattet werden. Sie sind wohl eher das Resultat eines anderen Selektionsmechanismus, durch den ein höherer sozialer Rang oder ein anderer Vorteil erlangt wird.

„Nur weil Männchen Weibchen mit bestimmten Merkmalen bevorzugen, muss das nicht unbedingt bedeuten, dass diese Merkmale für die Partnerwahl entstanden sind“, sagt Courtney Fitzpatrick von der Duke University in Durham. Bei den Männchen ist die Sache klar: Je attraktiver, desto mehr paarungswillige Weibchen und desto mehr Nachwuchs. Weibchen dagegen profitieren kaum davon, sich mit möglichst vielen zu paaren, da dies die Gesamtzahl ihrer Nachkommen nicht erhöht. Für sie ist die Qualität, also die biologische Fitness, eines Sexualpartners wichtiger. Warum sollten sie durch sexuelle Signale Partner anlocken, wenn sie doch selbst auswählen können? Besonders attraktive Weibchen könnten größere Chancen haben, von den besten Männchen begattet zu werden. Diese bisher übliche, aber nicht erwiesene Erklärung überprüfte Fitzpatrick nun zusammen mit Maria Servedio von der University of North Carolina in Chapel Hill. Beispiele für auffällige äußere Merkmale weiblicher Tiere sind die roten Scherenspitzen bei den Weibchen der Blauen Schwimmkrabbe (Callinectes sapidus), die an rot lackierte Fingernägel erinnern, oder die orangen Kehlflecke des weiblichen Stachelleguans Sceloporus virgatus – aber auch Körperschwellungen bei Primatenweibchen.

Zusammen mit Maria Servedio von der University of North Carolina in Chapel Hill entwickelte Fitzpatrick das Modell eines Szenarios, in dem die Evolution auffallender weiblicher Körpermerkmale unter definierten Bedingungen berechnet werden konnte. Dabei setzten sie polygynes Paarungsverhalten voraus mit gleicher Paarungshäufigkeit aller Weibchen. Außerdem zeigten nur besonders fruchtbare Weibchen ein aufwendiges schmückendes Merkmal, das von einem Teil der Männchen als sehr attraktiv empfunden wurde. Die Modellrechnung ergab, dass die sexuelle Selektion allein nicht dazu führt, das Merkmal der Weibchen zu einer verbreiteten, vorteilhaften Eigenschaft in der Population zu machen. Selbst wenn die biologisch fittesten Männchen sich häufiger als die anderen mit den „schönen“ Weibchen paarten, war der Effekt nach vielen Generationen nur gering. Anders wäre es vielleicht, wenn ausschließlich die besten Männchen auf das Attraktivitätsmerkmal der Weibchen reagieren würden. Für eine endgültige Klärung seien nun reale Untersuchungen von tierischem Verhalten nötig.

© Wissenschaft aktuell


 

Home | Über uns | Kontakt | AGB | Impressum
© Wissenschaft aktuell & Scientec Internet Applications + Media GmbH, Hamburg