Warum Frauen häufiger die Scheidung wünschen als Männer

Im Gegensatz zu Männern beurteilen Frauen die Qualität ihrer Beziehung nach der Heirat häufig schlechter als in einer nichtehelichen Partnerschaft
Weil die Frau in der Ehe benachteiligt ist, ergreift sie häufiger die Initiative zur Scheidung.
Weil die Frau in der Ehe benachteiligt ist, ergreift sie häufiger die Initiative zur Scheidung.
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Chicago (USA) - Ehescheidungen gehen meist von der Frau aus. Ganz anders bei unverheirateten Paaren: Da äußern Männer und Frauen mit gleicher Wahrscheinlichkeit den Wunsch, sich zu trennen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die beiden zusammenleben oder nicht. Das sind die überraschenden Ergebnisse einer amerikanischen Studie, die auf der Jahrestagung der American Sociological Association in Chicago präsentiert wurden. Offenbar liegen also die Gründe dafür, dass Frauen häufiger als Männer die Scheidung verlangen, nicht an der Paarbeziehung an sich. Die Ursachen sind vielmehr in Veränderungen zu suchen, die das Leben als Ehefrau mit sich bringen. Befragungen bestätigten den feministischen Standpunkt: Für die Frau verschlechtert sich die Lebensqualität nach der Eheschließung eher als für den Mann.

„Ich denke, dass sich die Ehe als Institution nicht schnell genug verändert hat, um die Erwartungen an Gleichberechtigung zu erfüllen“, sagte Michael Rosenfeld von der Stanford University, der Autor der Studie. So würde zum Beispiel der Ehemann noch immer erwarten, dass die Frau den Hauptanteil an der Hausarbeit und bei der Versorgung der Kinder übernimmt. Rosenfeld wertete Aussagen von 2262 Menschen im Alter von 19 bis 94 Jahren aus, die zwischen 2009 und 2015 mehrfach über ihre heterosexuelle Beziehung befragt worden waren. In diesem Zeitraum trennten sich 371 Personen von ihrem Partner, 92 dieser Fälle waren Ehescheidungen.

Bei 69 Prozent der Ehescheidungen ging die Initiative zur Trennung von der Frau aus. Ähnliche Werte hatten auch schon frühere Untersuchungen für verheiratete Paare aus den USA, Europa und Australien ergeben. Die Frage, warum meist Frauen die Beziehung beendeten, blieb aber unbeantwortet. Eine der Erklärungen besagte, dass Frauen empfindlicher auf Probleme in der Beziehung reagieren und stärker darunter leiden. Dann müssten sie aber auch nicht eheliche Beziehungen häufiger beenden als Männer. Das ist jedoch keineswegs der Fall: In der neuen Studie wünschten bei nicht verheirateten Paaren beide Geschlechter die Trennung mit gleicher Wahrscheinlichkeit. Und das war unabhängig davon, ob das Paar getrennt oder in einer gemeinsamen Wohnung lebte. Außerdem trennten sich Unverheiratete öfter auf Wunsch beider Partner als Ehepaare. Insgesamt liegt allerdings die Trennungsrate nicht ehelicher Beziehungen mehr als zehnmal höher als bei Verheirateten.

Ehefrauen stuften die Qualität ihrer Beziehung im Schnitt geringer ein als verheiratete Männer. Männer und Frauen einer nicht ehelichen Partnerschaft dagegen fühlten sich in ihrer Beziehung gleichermaßen wohl oder unwohl. Erst die Eheschließung benachteiligt also viele Frauen derart, dass ihr Wunsch nach Trennung mit der Zeit größer wird als bei Ehemännern. Unterschiede zwischen Mann und Frau in Einkommen, Bildung und religiöser Überzeugung lieferten keine Erklärung für die Ergebnisse. Es sei interessant, sagt Rosenfeld, dass junge weibliche Singles häufiger als Männer den Wunsch äußern, im Alter zwischen 20 und 35 Jahren zu heiraten. Doch weibliche Singles, die älter als 50 Jahre sind, wünschen sich deutlich seltener verheiratet zu sein als alleinstehende Männer dieser Altersgruppe. Schlechte Erfahrungen geschiedener Frauen könnten deren Interesse an einer neuen Ehe merklich abgekühlt haben.

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