Verringertes Diabetesrisiko in gesundheitsfördernder Nachbarschaft

Langzeitstudie zeigt: In einem Umfeld mit Möglichkeiten zu körperlicher Aktivität und zum Einkauf gesunder Lebensmittel erkranken weniger an Typ-2-Diabetes
Ann Arbor (USA) - Die richtige Nachbarschaft kann die Gesundheit fördern: Bietet die Umgebung Gelegenheiten für Bewegung und gesunde Ernährung, verringert sich das Risiko, einen Diabetes vom Typ 2 zu entwickeln. Besonders positiv wirkt sich die Möglichkeit für körperliche Aktivitäten aus, etwa zu Spaziergängen. Das lässt eine Langzeitstudie vermuten, über die US-Forscher im Fachblatt „JAMA Internal Medicine” berichten. Das soziale Umfeld scheint dagegen keine Auswirkungen auf die Entwicklung der Stoffwechselstörung zu haben.

„Unsere Ergebnisse legen nahe: Bestimmte Merkmale der nachbarschaftlichen Umgebung zu verändern könnte helfen, das Risiko für Typ-2-Diabetes zu mindern”, schreiben Paul J. Christine von der University of Michigan in Ann Arbor und Kollegen. Dazu zähle, die Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel und Gelegenheiten für körperliche Betätigung zu erhöhen. Allerdings seien noch weitere Studien notwendig, um die vielfachen Möglichkeiten genauer zu bestimmen. Es wird zwar vermutet, dass die Umgebung das Diabetesrisiko beeinflussen könnte, erläutern die Forscher weiter. Doch ihres Wissens hatte noch keine Langzeitstudie die spezifischen Auswirkungen untersucht.

Sie hatten daher Daten aus einer Langzeitstudie zu Gefäßverkalkung analysiert. Von den Teilnehmern dieser Arteriosklerose-Studie eigneten sich insgesamt 5124 Personen auch für die statistischen Berechnungen von Christine und seinen Kollegen. Diese Probanden waren zu Beginn der Erhebung zwischen 45 und 84 Jahre alt und nicht an Diabetes erkrankt gewesen. Außerdem sammelten die Forscher Informationen über die Umgebung, in der die Leute lebten – einerseits über geografische Informationssysteme, andererseits anhand von Umfragen. Zu diesen Daten gehörte, ob es in der Nähe die Möglichkeit zum Einkauf gesunder Lebensmittel wie Obst und Gemüse gab sowie ob diverse Freizeitangebote bestanden, etwa für Erholung, Tanz und verschiedene Sportarten, oder auch die Gelegenheit zum Spazierengehen. Darüber hinaus prüften die Forscher, wie es um die sozialen Gegebenheiten bestellt war.

Über einen Zeitraum von durchschnittlich knapp neun Jahren war im weiteren Verlauf der Datenerhebung bei 616 der rund 5000 Probanden ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden – also bei etwa 12 Prozent. Faktoren wie unter anderem geringeres Einkommen, niedrigerer Bildungsstand, weniger gesunde Ernährung und weniger Bewegung sowie das Vorkommen von Typ-2-Diabetes in der Familie gingen generell mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einher. Umgekehrt fanden sich aber auch Faktoren, die einen positiven Einfluss auf die Gesundheit nahmen. Diese variierten zwar mit der exakten Berechnungsmethode, dennoch kristallisierte sich ein konkreter Zusammenhang heraus, wenn die Forscher für ihre statistischen Analysen die Angaben aus Umfragen nutzten: Die Möglichkeit, in der unmittelbaren Umgebung körperlich aktiv werden zu können, verringerte das Diabetesrisiko um etwa 21 Prozent. Eine gute Erreichbarkeit gesunder Lebensmittel minderte es immerhin noch um 12 Prozent. Lebensräume so zu gestalten, dass sie gesunde Lebensweisen fördern, könnte demnach ein Ansatz sein, dem steigenden Aufkommen von Diabetes vom Typ zwei entgegen zu wirken. Das gilt insbesondere deshalb, weil sich der Entwicklung der Stoffwechselstörung durch Verhaltensweisen wie gesunde Ernährung und Bewegung nachweislich vorbeugen lässt.

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