Tiefe oder hohe Stimme: Wie der Junge, so der Mann

Schon bei 7-Jährigen lässt sich anhand der Stimmlage voraussagen, wie tief die Stimme nach dem Stimmbruch und für den Rest des Lebens sein wird
Aus kleinen Jungs mit ungewöhnlich hoher Stimmlage werden Männer mit ungewöhnlich hoher Stimmlage.
Aus kleinen Jungs mit ungewöhnlich hoher Stimmlage werden Männer mit ungewöhnlich hoher Stimmlage.
© Shutterstock, Bild 400654939
Brighton (Großbritannien) - Für Männer ist eine möglichst tiefe Stimme vorteilhaft. Sie steigern dadurch ihre Attraktivität und wirken kompetenter als ihre in höherer Tonlage sprechenden Geschlechtsgenossen. Doch wie tief die Stimmlage nach dem Stimmbruch sinkt, entscheidet sich nicht erst in der Pubertät, wie britische Forscher jetzt herausgefunden haben. Sie konnten bereits bei 7-jährigen Jungen deren spätere sogenannte Grundfrequenz beim Sprechen voraussagen. Wer in diesem Alter eine vergleichsweise tiefe Stimme hatte, hatte auch als Erwachsener eine tiefere Stimmlage als ein Junge mit höherer Grundfrequenz. Der Klang der Stimme veränderte sich noch bis zum Alter von 21 Jahren und blieb danach in der Tonlage nahezu unverändert, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Royal Society Open Science“.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die individuellen Unterschiede der Stimmlage bei Männern schon lange vor der Pubertät und den damit verbundenen Einflüssen auf den Stimmapparat auftreten“, sagt David Reby von der University of Sussex in Brighton. „Letztlich bedeutet das, dass die Stimmlage vom Spiegel männlicher Hormone abhängt, dem das Kind sehr früh im Leben, möglicherweise sogar noch im Mutterleib, ausgesetzt war“, so Reby. In der Pubertät beschleunigt der starke Anstieg des Testosteronspiegels bei Jungen das Wachstum der Stimmlippen im Kehlkopf. Dadurch sinkt die Frequenz der erzeugten Töne. Bei erwachsenen Männern liegt die Grundfrequenz ihrer Stimme zwischen 80 und 175 Hertz, bei Frauen schwanken die Werte von 160 bis 270 Hertz. Aber auch Babys schreien in individuell ganz unterschiedlichen Tonlagen. Bei drei Monate alten Säuglingen wurden – unabhängig vom Geschlecht – Frequenzen zwischen 350 und 550 Hertz gemessen.

Die Forscher nutzten für ihre Studie Daten einer Langzeitdokumentation, für die zehn männliche Briten des Jahrgangs 1956 alle sieben Jahre interviewt wurden – aufgezeichnet in Bild und Ton. Damit standen einzigartige Tondokumente zur Verfügung, die es ermöglichten, die Veränderung der Stimmen von 7-Jährigen bis zum Alter von 56 Jahren zu analysieren. Insgesamt werteten die Wissenschaftler 257 Sprachaufzeichnungen aus, die im Schnitt jeweils elf Sekunden dauerten, wobei stark emotionale Äußerungen nicht in die Auswahl einbezogen wurden. Sie ermittelten unter anderem jeweils die Grundfrequenz, Minimal- und Maximalwerte der Frequenz sowie die Schwankungsbreite. Es stellte sich heraus, dass sich die Stimmlage in zwei Schüben veränderte: Zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr sank die Frequenz um durchschnittlich 105 Hertz, zwischen dem 14. und 21. Lebensjahr nochmals um etwa 60 Hertz. Ab einem Alter von 28 Jahren veränderten sich die gemessenen Merkmale der Stimme so gut wie nicht mehr. Bei den 7-Jährigen ergaben sich Unterschiede, die eine Voraussage über die spätere Stimmlage ab einem Alter von 21 Jahren erlaubten.

„Die Stimmlage eines Mannes beeinflusst, wie andere Menschen seine Attraktivität, Männlichkeit, Dominanz, Kompetenz, Beliebtheit und Vertrauenswürdigkeit beurteilen“, sagt Erstautorin Katarzyna Pisanski. „Möglicherweise bestimmt bereits die individuelle Stimmlage eines Kindes, wie es von Gleichaltrigen wahrgenommen wird.“ Der starke Abfall der Stimmfrequenz erfolgt zwar erst durch die erhöhte Produktion männlicher Hormone in der Pubertät. Doch bis auf welches Niveau die Grundfrequenz dann sinkt, hängt offenbar von Faktoren ab, die schon vor der sexuellen Reifung festgelegt sind. Erhöhte Hormonspiegel in den ersten Lebensjahren oder im Mutterleib könnten eine Rolle spielen. Daher sollten, so die Autoren, weitere Studien auch Messungen des Testosteronspiegels vor der Geburt und im Lauf des Lebens einschließen.

© Wissenschaft aktuell


 

Home | Über uns | Kontakt | AGB | Impressum
© Wissenschaft aktuell & Scientec Internet Applications + Media GmbH, Hamburg