Technik statt Muskeln: Wenn Schlangen Schlangen verschlingen

Königsnattern erwürgen größere andere Nattern nicht durch mehr Muskelkraft, sondern mit Hilfe einer speziellen Würgetechnik
Königsnatter (Lampropeltis californiae) frisst Kletternatter.
Königsnatter (Lampropeltis californiae) frisst Kletternatter.
© David Penning, Missouri Southern State University
Lafayette / Joplin (USA) - In der Regel ist der Räuber größer als das Beutetier – aber es gibt Ausnahmen. Königsnattern und Kletternattern sind nochmal ein ganz spezieller Fall. Beide amerikanischen Würgeschlangen sind einerseits Konkurrenten bei der Nahrungssuche, wenn es um kleinere Wirbeltiere geht. Andererseits erwürgt und verschlingt eine Königsnatter gerne auch mal eine Kletternatter, aber nicht umgekehrt. Amerikanische Biologen gingen nun der Frage nach, warum das sogar dann so ist, wenn die Königsnatter kleiner ist. An der Muskelmasse konnte es nicht liegen, denn die war bei sechs untersuchten Arten von Nattern generell umso größer, je größer das Körpergewicht war. Trotzdem erzeugten die Königsnattern einen deutlich höheren Druck beim Würgen als gleich große Kletternattern, berichten die Forscher im „Journal of Experimental Biology“. Grund dafür sei wahrscheinlich die Art, wie sie die Körper ihrer Opfer umschlingen. Die Schlangen nehmen ihre Beute schnell in einen festen Würgegriff, der bei Fluchtversuchen nicht mehr gelockert werden kann.

„Unter Berücksichtigung ihrer Größe haben Königsnattern die stärkste Würgekraft, die wir bisher gemessen haben“, sagt David Penning von der Missouri Southern State University in Joplin. „Wir vermuten, dass die überlegene Würgeleistung darauf beruht, wie sie ihren Körper einsetzt“. Die immer gleiche Form der Windungen, die einer Sprungfeder ähneln, ermöglicht offenbar einen optimalen Würgedruck und minimiert gleichzeitig die Bewegungs- und Fluchtmöglichkeiten des Opfers. Kletternattern umschlingen die Beute auf sehr variable Art und Weise und sind dabei weniger effizient.

Zusammen mit Brad Moon von der University of Louisiana at Lafayette untersuchte Penning zunächst 36 tote Exemplare verschiedener Arten von Königsnattern der Gattung Lampropeltis und Kletternattern der Gattung Pantherophis. Dabei ergaben sich keine Unterschiede in der Muskelmasse gleich großer Tiere. Dagegen zeigten Messungen bei insgesamt 182 lebenden Schlangen beider Gattungen einen deutlichen Unterschied: Alle drei Arten der getesteten Königsnattern erzeugten höhere Druckkräfte beim Würgen von Mäusen als drei Arten von Kletternattern. Die bei Befreiungsversuchen fixierter Schlangen gemessenen Kräfte hingen allein von der Körpergröße ab, nicht von der Gattung oder Spezies.

Demnach beruht die Überlegenheit der Königsnattern allein auf der besseren Würgetechnik und nicht auf weniger erfolgreichen Befreiungsversuchen der Kletternattern. Da es Stunden dauern kann, bis eine Königsnatter eine Kletternatter erwürgt hat, wäre noch eine weitere Erklärung möglich: Auch die größere Ausdauer bei der Muskelanspannung könnte ein wichtiger Faktor sein. Es sei zudem nicht ausgeschlossen, dass noch nicht entdeckte zusätzliche Besonderheiten eine Rolle spielen.

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