Süßes Blut: Attraktivität für Stechmücken ist angeboren

Zwillingsstudie zeigt, dass die Anziehungskraft eines Menschen für die Blutsauger auf genetischen Merkmalen beruht
Ein Zwillingspaar präsentiert die Versuchsanordnung. An der vorliegenden Studie nahmen allerdings nur ältere Frauen teil.
Ein Zwillingspaar präsentiert die Versuchsanordnung. An der vorliegenden Studie nahmen allerdings nur ältere Frauen teil.
© London School of Hygiene and Tropical Medicine
London (Großbritannien) - Manche Menschen haben mehr unter Stechmücken zu leiden als andere. Der Grund dafür könnte in den Genen liegen, die dem individuellen Körpergeruch zugrunde liegen, berichten jetzt britische Forscher. Denn in ihrer Studie unterschieden sich eineiige Zwillinge in ihrer Attraktivität für blutsaugende Mücken weit weniger als zweieiige. Ob dafür unterschiedlich stark wirkende Lockstoffe oder abschreckende Substanzen als Bestandteile des Körpergeruchs verantwortlich sind, ist noch nicht geklärt, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „PLoS One“. Weitere Arbeiten haben das Ziel, neue Methoden zur effektiveren Abwehr von krankheitsübertragenden Stechmücken zu entwickeln.

„Wenn wir den zugrunde liegenden genetischen Mechanismus erforscht haben, könnten wir dieses Wissen einsetzen, um uns vor Krankheiten zu schützen, die durch Insektenstiche übertragen werden“, sagt James Logan von der London School of Hygiene and Tropical Medicine, der Leiter der Forschergruppe. An der Studie nahmen 18 eineiige und 19 zweieiige weibliche Zwillingspaare teil, die zwischen 50 und 90 Jahre alt waren. Während das Erbgut eineiiger Zwillinge nahezu identisch ist, unterscheiden sich die Gene zweieiiger Zwillinge im selben Maße wie die von anderen Geschwistern. Bei allen Testpersonen war bereits die Menopause eingetreten, so dass Einflüsse des Menstruationszyklus auf den Körpergeruch ausgeschlossen werden konnten.

Für jede Testrunde wurden jeweils 20 weibliche Ägyptische Tigermücken (Stegomyia aegypti, früher: Aedes aegypti) in die Öffnung eines Plastikrohrs gebracht, das Y-förmig verzweigt war. In die beiden gegenüberliegenden Öffnungen platzierte je ein Zwilling seine Hand. Mit einem Luftstrom bewegte sich der davon ausgehende Körpergeruch in Richtung der Mücken. Die Insekten hatten dann die Wahl, gegen den Wind in eine von beiden Richtungen zu fliegen. Zusätzlich verglichen die Forscher die Flugaktivitäten, wenn zunächst nur der eine und dann nur der andere Zwilling als Geruchsquelle an einer der Öffnungen diente. Die Mücken reagierten auf den Körpergeruch von zwei eineiigen Zwillingen sehr ähnlich, bei den zweieiigen ergaben sich größere Unterschiede. Das spricht stark dafür, dass die unterschiedliche Attraktivität für Mücken auf erblichen Merkmalen beruht. Die Erblichkeit war etwa so stark ausgeprägt wie bei Körpergröße und IQ, erklären die Autoren.

Um herauszufinden, welche Gene die Anziehungskraft des Körpergeruchs beeinflussen, seien nun vergleichende Erbgutanalysen nötig. Im Lauf der Evolution könnte es sich als vorteilhaft erwiesen haben, dass Bestandteile des Körpergeruchs vor Stichen von Insekten schützen, die Krankheitserreger übertragen. Die Forscher vermuten, dass manche Menschen stärker als andere bestimmte Geruchsstoffe freisetzen, die eine solche abschreckende Wirkung haben. Wenn es gelingt, diese Substanzen zu identifizieren, könnten sie vielleicht chemisch hergestellt und zur Mückenabwehr eingesetzt werden. Es wäre aber auch denkbar, sagt Logan, dass man in Zukunft, anstatt eine Hautcreme zu nutzen, eine Pille schluckt, um damit die Produktion natürlicher abschreckender Geruchsstoffe unseres Körpers zu verstärken.

Die Ägyptische Tigermücke überträgt Viren, die das oft tödlich verlaufende Denguefieber auslösen. Wie auch Malariamücken und andere blutsaugende Insekten benötigen die Weibchen proteinreiches Blut, damit sich ihre Eier entwickeln. Bei der Suche nach ihrem Opfer werden die Blutsauger durch Kohlendioxid und Bestandteile des Körpergeruchs angelockt. Der Körpergeruch entsteht, indem Hautbakterien Substanzen abbauen, die von der Haut freigesetzt werden. Individuell unterschiedliche genetische Merkmale regulieren Art und Menge dieser Substanzen. Zwar wirkt sich auch die Ernährung auf den Körpergeruch aus. Aber ein angeblich mückenabschreckender Effekt durch Konsum von Knoblauch, Vitamin B oder Bier ließ sich nach Angaben der Forscher in Studien bisher nicht nachweisen.

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