Suche nach dem unwiderstehlichen Lockstoff: Gibt es menschliche Pheromone oder nicht?

Trotz gegenteiliger Behauptungen der Parfümindustrie ist die Existenz eines menschlichen Pheromons bisher nicht nachgewiesen
Noch ist ungeklärt, ob sexuelle Anziehung auch auf Pheromonen beruht.
Noch ist ungeklärt, ob sexuelle Anziehung auch auf Pheromonen beruht.
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Oxford (Großbritannien) - Mäuse und Menschen lassen sich bei der Partnersuche vom Körpergeruch beeinflussen. Aber ob der Mensch wie Mäuse und andere Säugetiere auch Pheromone produziert, ist immer noch nicht geklärt. Definitionsgemäß wäre ein menschliches Pheromon ein Duftstoff, der von allen Männern oder allen Frauen freigesetzt wird und bei anderen eine vorhersagbare Reaktion auslöst. Das könnten Verhaltensänderungen, sexuelle Stimulation oder eine hormonelle Umstellung sein. Auch wenn aus der Parfümindustrie verlautet, dass es menschliche Sexualpheromone gibt – aus den vorliegenden Studien lässt sich das nicht nachweisen, berichtet ein britischer Biologe im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B”. Er hält es für nötig, bei der Suche nach solchen Botenstoffen noch einmal ganz von vorn zu beginnen und dabei bestimmte Kriterien einzuhalten. Ein Pheromon zu finden, das menschliches Sexualverhalten steuert sei aber weit weniger wahrscheinlich, als eines, das beispielsweise den Saugreflex von Babys auslöst.

„Unser Wissen über menschliche Pheromone hat sich in den vergangenen 40 Jahren kaum erweitert“, schreibt der Zoologe Tristram Wyatt von der University of Oxford. Die bisherige Forschung konzentrierte sich überwiegend auf mögliche Sexualpheromone. In diesem Zusammenhang werden unter anderem die Steroide Androstenon und Androstenol als mögliche Kandidaten genannt. Diese kommen im menschlichen Achselschweiß vor. Die gleichen Substanzen wirken bei Schweinen als Pheromon. Aber keine Studie konnte eine Wirkung auf das Sexualverhalten des Menschen nachweisen. Dasselbe gilt für Androstadienon und Estratetraenol. Einerseits ist es durchaus möglich, dass auch das Säugetier Mensch noch unentdeckte Pheromone produziert. Andererseits könnte diese Form der chemischen Kommunikation im Lauf der Evolution zum modernen Menschen verloren gegangen sein. Dafür spricht, dass der Mensch kein funktionsfähiges Vomeronasales Organ mehr besitzt. Dieses besteht aus speziellen Sinneszellen, die als „zweite Nase“ auf die Wahrnehmung von Pheromonen spezialisiert sind. Allerdings, so Wyatt, fehle dieses Geruchsorgan auch bei Kaninchen und Schafen, die aber dennoch auf Pheromone reagieren.

Der eindeutige Nachweis eines Pheromons beim Menschen sollte in denselben klassischen Schritten erfolgen, die bereits der deutsche Chemiker Adolf Butenandt bei der Identifizierung des Sexuallockstoffs eines Schmetterlings entwickelt hat: Der Botenstoff muss bei Artgenossen eine reproduzierbare Reaktion des Verhaltens oder des Stoffwechsels auslösen. Die Substanz oder das Substanzgemisch muss analysiert und chemisch hergestellt werden und schließlich, in natürlicher Konzentration eingesetzt, wieder dieselbe Reaktion verursachen. Erschwert würde dieses Vorgehen dann, wenn keine Einzelsubstanz sondern ein komplexes Gemisch aus mehreren Bestandteilen als Pheromon wirken würde. So setzt sich der Achselschweiß aus Hunderten oder gar Tausenden verschiedener Bestandteile zusammen. Ein menschliches Sexualpheromon müsste aber nicht unbedingt im Achselschweiß zu finden sein. Dagegen spricht, dass sich dessen Zusammensetzung bei Menschen unterschiedlicher Herkunft stark unterscheiden kann. Geruchsstoffe, die von Talgdrüsen der Haut anderer Körperregionen freigesetzt werden, könnten sich eher als Sexuallockstoff erweisen. Bei der Suche wäre es hilfreich, Sekrete von Erwachsenen mit denen von Kindern vor der Pubertät zu vergleichen.

Anstelle von Sexualpheromonen sollte man vielleicht eher nach Botenstoffen suchen, die das Verhalten von Säuglingen beeinflussen, schreibt Wyatt. Es gebe Hinweise darauf, dass Hautdrüsen im Warzenhof der weiblichen Brust ein solches Pheromon produzieren und den lebenswichtigen Saugreflex des Babys auslösen. In diesem Fall wäre der biologische Wirksamkeitstest eines vermutlichen Botenstoffs einfacher durchzuführen als für ein Sexualpheromon, das den Partner anlockt oder stimuliert.

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