Stellare Fehlgeburten
"Nach dem klassischen Modell sollten sowohl Braune Zwerge als auch Sterne aus interstellaren Gaswolken entstehen, die sich aufgrund ihrer Masseanziehung zusammenballen", erklärt Pavel Kroupa vom Argelander-Institut der Universität Bonn. "Demnach sollten sich diese Himmelskörper auch ähnlich verhalten." Doch bei ihren Untersuchungen fanden Kroupa und sein Kollege Ingo Thies deutliche Unterschiede zwischen Braunen Zwergen und normalen Sternen.
So setzt sich die Verteilung der Massen nicht kontinuierlich von Sterne zu Braunen Zwergen fort, sondern zeigt beim Übergang einen deutlichen Sprung. Außerdem gibt es erheblich weniger gemischte Doppelsysteme aus Sternen und Braunen Zwergen, als es bei einem gleichen Entstehungsweg beider Objekte zu erwarten wäre.
Vermutlich handele es sich bei Braunen Zwergen um eine Art stellarer Fehlgeburten, so die beiden Forscher. Ein System aus drei Sternen-Embryos zerfällt aufgrund der gegenseitigen Masseanziehung, und das leichteste Objekt wird aus dem System heraus katapultiert. Eine andere Möglichkeit wäre, dass sich Braune Zwerge in den äußeren Regionen entstehender Sterne bilden und von diesen getrennt werden. Dies kann etwa aufgrund einer nahen Begegnung mit einem dritten Stern geschehen. Da fast alle Sterne in Sternhaufen geboren werden, sind solche Begegnungen nicht selten. Möglicherweise treten auch beide Szenarien kosmischer Fehlgeburten gemischt auf. Beide Szenarien sagen voraus, dass Braune Zwerge - ähnlich wie Planeten - nur bei der Geburt von Sternen entstehen können.
