Schutz vor Ansteckung: Infizierte Mandrille werden weniger gelaust

Am veränderten Kotgeruch erkennen die Affen, wenn ein Gruppenmitglied von Parasiten befallen ist
Der Kotgeruch warnt einen Mandrill davor, einen mit Darmparasiten befallenen Artgenossen zu lausen.
Der Kotgeruch warnt einen Mandrill davor, einen mit Darmparasiten befallenen Artgenossen zu lausen.
© Nory EL KSABI
Montpellier (Frankreich) - Mandrille vermeiden es, Artgenossen zu lausen, die mit Darmparasiten infiziert sind. Durch dieses Verhalten schützen sich die Affen vor einer Ansteckung. Sie erkennen den Parasitenbefall eines Gruppenmitglieds am veränderten Geruch seines Kots, wie französische Biologen jetzt herausgefunden haben. Der verringerte Körperkontakt zu Erkrankten ist eine Form des Immunschutzes, die auch von anderen in Gruppen lebenden Tieren praktiziert wird. Neben den Vorteilen, die eine Gruppe bietet, bringt eine solche Lebensweise das Risiko mit sich, dass sich Infektionskrankheiten sehr schnell ausbreiten können. Dieser Selektionsdruck begünstigte die Evolution eines Verhaltens, das eine gewisse Immunität gewährleistet, erklären die Forscher im Fachblatt „Science Advances“.

„Durch Langzeitbeobachtungen, kontrollierte Experimente und chemische Analysen konnten wir zeigen, dass Mandrille fähig sind, den Parasitenbefall ihrer Gruppenmitglieder zu beurteilen“, schreiben Marie Charpentier vom Centre d’Ecologie Fonctionnelle et Evolutive in Montpellier und ihre Kollegen. Sozial lebende Tiere müssen – zusätzlich zum individuellen Immunsystem – Abwehrmechanismen entwickeln, die eine Ausbreitung von Parasiten begrenzen. Dazu zählen auch hygienisches Verhalten und die Selbstisolierung erkrankter Individuen. Wenn dagegen Gesunde den Kontakt zu Infizierten vermeiden wollen, müssen sie die Fähigkeit entwickelt haben, die betroffenen Artgenossen zu erkennen.

Über einen Zeitraum von 2,5 Jahren beobachteten die Forscher das Verhalten zweier Gruppen wild lebender Mandrille in Gabun. Zunächst untersuchten sie monatlich Kotproben von 25 Affen der einen Gruppe auf den Gehalt an Zysten von Darmparasiten, zum Beispiel von Balantidium coli, einem Erreger von Durchfall und Darmgeschwüren. Das ermöglichte eine Einteilung in stark und schwach infizierte Individuen. Zahlreiche Einzelbeobachtungen lieferten Auskunft darüber, wie lange jedes Tier pro Monat von einem anderen gelaust wurde. Als zusätzliche Einflussfaktoren wurden Alter, Geschlecht und sozialer Rang berücksichtigt. Es stellte sich heraus, dass die stark infizierten Affen vergleichsweise weniger Fellpflege genossen – insbesondere im Bereich der Analregion. Das beruhte nicht auf Selbstisolierung, sondern auf Kontaktvermeidung durch die weniger Infizierten.

Nachdem die Forscher 16 Mandrille mit starkem Parasitenbefall durch ein mit Bananen verabreichtes Medikament behandelt hatten, wurden diese Tiere wieder deutlich häufiger gelaust als zuvor. Schließlich prüften die Biologen ihre Vermutung, dass erkrankte Affen am veränderten Geruch ihres Kots erkannt werden könnten, den ein lausender Affe in der Nähe der Analregion wahrnimmt. Dazu analysierten die Forscher Kotproben von 30 Tieren mit unterschiedlichem Parasitenbefall mit Hilfe von Gaschromatographie und Massenspektrometrie. Tatsächlich zeigte das Profil leicht flüchtiger Substanzen zweier Kotproben umso größere Unterschiede, je mehr sie sich in ihrem Parasitengehalt unterschieden. Vor allem die Zahl der Zysten von Balantidium coli und zweier Entamoeba-Arten beeinflusste das Spektrum der Geruchsstoffe.

In einem Verhaltensexperiment bestätigte sich, dass die Mandrille auf verschiedene Kotgerüche unterschiedlich reagieren: Sie hielten sich in der Nähe von stark infizierten Kotproben, die auf Bambusstöcken deponiert worden waren, weniger lange auf als bei nicht infizierten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Affen über ihren Geruchssinn ein Ansteckungsrisiko wahrnehmen und darauf reagieren können, indem sie sozialen Kontakt vermeiden. Das erkläre, wie soziale Lebewesen die Nachteile eines auf häufigen Kontakten mit Gruppenmitgliedern beruhenden Parasitismus ausgleichen können, schreiben die Forscher. Zudem sei dies auch ein Beispiel dafür, wie die Co-Evolution von Parasiten und ihrer Wirte die Evolution sozialer Systeme beeinflussen kann.

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