Schützen Milch und Käse vor Übergewicht?

Menschen, die größere Mengen an Molkereiprodukten verzehren, haben ein geringeres Risiko für Fettleibigkeit als andere
Ausreichend Milch und Käse könnten bei der Regulation des Körpergewichts helfen.
Ausreichend Milch und Käse könnten bei der Regulation des Körpergewichts helfen.
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Qingdao (China) - Ein hoher Konsum an Milch und Milchprodukten könnte dabei helfen, nicht fettleibig zu werden. Das ist eine mögliche Schlussfolgerung aus den Ergebnissen einer chinesischen Metastudie. Demnach hatten die erwachsenen Probanden, die die größten Mengen an Milch, Käse, Quark und Joghurt verzehrten, ein um ein Viertel geringeres Risiko für Fettleibigkeit als diejenigen, die am wenigsten davon konsumierten. Bei Kindern war dieses Risiko sogar um fast die Hälfte niedriger, berichten die Forscher im Fachblatt „Annals of Epidemiology“. Ob dieser statistische Zusammenhang auf einer ursächlichen Beziehung beruht, lässt sich allerdings noch nicht mit Sicherheit sagen. Neben einer Schutzwirkung bestimmter Inhaltsstoffe der Milch sind auch andere Erklärungen nicht auszuschließen.

„Es gibt die Hypothese, dass Milchprodukte aufgrund ihres Gehalts an Kalzium, Proteinen, Vitamin D, bestimmten Aminosäuren und konjugierten Linolsäuren das Fettleibigkeitsrisiko senken könnten“, schreiben Dongfeng Zhang und seine Kollegen von der Qingdao University. Bisherige Studien hätten diesen Zusammenhang jedoch nicht eindeutig bestätigen können. In einer Meta-Analyse werteten die Forscher nun die Daten von 33 einzelnen Beobachtungsstudien aus, an denen jeweils zwischen 1200 und 75.000 Probanden – überwiegend aus asiatischen Ländern – teilgenommen hatten. Angaben zur Gesamtkalorienaufnahme und zum Fettgehalt der konsumierten Milchprodukte waren nicht für jede Testperson verfügbar und konnten daher bei der Auswertung nicht berücksichtigt werden.

Wurden sämtliche Arten von Molkereiprodukten zusammengenommen, ergab sich für die Gruppe mit dem höchsten Konsum insgesamt ein um 26 Prozent geringeres Risiko für Fettleibigkeit als für diejenigen mit dem geringsten Konsum. Bei Kindern lag dieser Wert bei 46 Prozent. Berücksichtigte man nur den Milchkonsum, verringerte sich das Krankheitsrisiko um bis zu 18 Prozent. Dabei war eine klare Beziehung zwischen Dosis und möglicher Wirkung erkennbar: Pro 200 Gramm täglich konsumierter Milch sank das Fettleibigkeitsrisiko um jeweils 16 Prozent.

Die Forscher räumen die Möglichkeit ein, dass der ermittelte Zusammenhang auch auf einer umgekehrten Kausalität beruhen könnte: So wäre es denkbar, dass stark übergewichtige Menschen einfach weniger Appetit auf Milch und Milchprodukte haben. Andererseits gebe es mehrere Hinweise darauf, dass einige Inhaltsstoffe dieser Nahrungsmittel die Regulation des Körpergewichts positiv beeinflussen. Beispielsweise könnte eine starke Zufuhr von Kalzium oder von konjugierten Linolsäuren die Fettspeicherung verringern und den Energieverbrauch erhöhen. Zudem haben Milchproteine und andere Bestandteile der Milch wahrscheinlich eine appetitdrosselnde Wirkung. Vorausschauende sogenannte Längsschnittstudien sind jetzt nötig, um eine Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen dem Konsum von Milchprodukten und dem Risiko von Fettleibigkeit wirklich nachzuweisen.

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