Schmerzmittel bei Atemwegsinfektionen können Infarktrisiko erhöhen

Die bei Grippe und grippalen Infekten häufig eingesetzten Entzündungshemmer vergrößern die bereits durch die Erkrankung erhöhte Gefahr eines Herzinfarkts
Kombination von grippalem Infekt und Schmerzmittel schlägt aufs Herz.
Kombination von grippalem Infekt und Schmerzmittel schlägt aufs Herz.
© Mojpe / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de
Taipeh (Taiwan) - In der ersten Woche einer Atemwegsinfektion steigt das Risiko eines Herzinfarkts. Diese Gefahr erhöht sich unabhängig davon auch bei Einnahme von Schmerzmitteln aus der Gruppe der nichtsteroidalen Entzündungshemmer (NSAR), zu denen Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac zählen. Trotzdem ist es gängige Praxis, die Symptome einer Erkältung oder Grippe mit solchen Medikamenten zu behandeln. Mediziner aus Taiwan haben jetzt gezeigt, dass diese Kombination zweier Risikofaktoren mit einem beträchtlich gesteigerten Infarktrisiko verbunden ist. Die bisherigen Ergebnisse erlauben noch keine sichere Aussage darüber, welches Schmerzmittel bei infarktgefährdeten Menschen während einer Atemwegsinfektion am ehesten zu empfehlen wäre, schreiben die Forscher im „Journal of Infectious Diseases“. In ihrer Studie wurden Acetylsalicylsäure-Präparate (ASS, Aspirin) nicht berücksichtigt, da diese NSAR keinen negativen Einfluss auf das Risiko eines Gefäßverschlusses haben.

„Ärzte sollten sich darüber im Klaren sein, dass der Einsatz von nichtsteroidalen Entzündungshemmern bei einer akuten Atemwegsinfektion das Risiko eines Herzinfarkts zusätzlich erhöhen könnte“, sagt Cheng-Chung Fang vom National Taiwan University Hospital in Taipeh. Eine Ursache-Wirkung-Beziehung ist aufgrund der neuen Ergebnisse zwar naheliegend, lässt sich aus der Beobachtungsstudie aber nicht definitiv nachweisen. In der aktuellen Studie wurde auch nicht überprüft, ob Schmerzmittel mit einem anderen Wirkmechanismus – wie zum Beispiel Paracetamol – möglicherweise sicherer für das Herz wären.

Fang und seine Kollegen werteten Daten von 9800 Patienten aus, die wegen eines Herzinfarkts in ein Krankenhaus eingeliefert und davor seit mindestens zwei Jahren noch nicht wegen einer Herzkrankheit stationär behandelt worden waren. Sie ermittelten, ob die Probanden in der Woche vor der Einlieferung ein Schmerzmittel eingenommen hatten und an einer Atemwegsinfektion erkrankt waren. Als Vergleich dienten Krankenakten derselben Patienten aus der Zeit vor einem Jahr. Die statistische Auswertung ergab, dass die Einnahme eines nichtsteroidalen Entzündungshemmers bei gleichzeitiger Atemwegsinfektion das Herzinfarktrisiko 3,4-fach erhöhte. Ohne diese Medikamente stieg das Risiko bei der Infektion 2,7-fach und durch die Medikamente allein 1,5-fach. Wurde das Schmerzmittel nicht durch Tabletten, sondern per Infusion verabreicht, lag das Infarktrisiko während einer Atemwegsinfektion sogar beim 7,2-Fachen des Vergleichswertes ohne Infektion und ohne Medikamente. Bei einer echten Grippe war der negative Effekt der Medikamente größer als bei harmloseren grippalen Infekten.

Diese Ergebnisse seien von großer praktischer Bedeutung, da die Einnahme von nichtsteroidalen Entzündungshemmern während einer Erkältung oder Grippe sehr verbreitet ist, schreiben die Forscher. Betroffen sind auch Patienten, die solche Mittel wegen Arthrose oder rheumatischer Erkrankungen einnehmen. Aus anderen Studien ist bekannt, dass Naproxen und gering dosiertes Ibuprofen im Vergleich zu den anderen NSAR – außer Acetylsalicylsäure – mit einem geringeren Risiko für das Herz verbunden sind. Noch ist es aber zu früh, um konkrete Empfehlungen auszusprechen. Die dazu nötigen weiteren Studien sollten auch prüfen, inwieweit das Infarktrisiko vom Erreger der Infektion abhängt und ob Patienten nach einem bereits überstandenen Herzinfarkt in höherem Maße gefährdet sind.

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