Scheidung oder Tod des Partners im Alter trifft Männer schwerer als Frauen

Bei Männern steigt die Sterberate, wenn die Ehe endet – bei Frauen, wenn eine Beziehung unglücklich ist
Das Ende der Ehe im Alter hat für Frauen und Männer unterschiedliche Folgen.
Das Ende der Ehe im Alter hat für Frauen und Männer unterschiedliche Folgen.
© Shutterstock, Bild 257952173
Oxford (USA) - Der Tod des Ehepartners oder die Scheidung kann die Lebenserwartung für ältere Menschen verkürzen. In den Reaktionen zeigen sich allerdings beträchtliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie eine amerikanische Studie jetzt ergeben hat. So wirkt sich für Männer die Qualität der beendeten Beziehung kaum aus. Ihr Sterberisiko steigt auf jeden Fall, wenn sie Witwer werden oder sich scheiden lassen. Bei Frauen dagegen ist das Eheglück entscheidend: Eine unglückliche Beziehung verkürzt ihr Leben, die Scheidung oder der Tod des Mannes dagegen nicht, berichten die Forscher im Fachblatt „Social Science & Medicine“.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass für die Mortalitätsrate der Männer der Ehestatus wichtiger ist, während für die Frauen die Qualität der Ehe eine größere Bedeutung hat“, schreiben Jennifer Roebuck Bulanda von der Miami University in Oxford und ihre Kollegen. Sie werteten Daten einer repräsentativen Stichprobe von 7388 verheirateten Frauen und Männern aus, die älter als 50 Jahre waren. Im Untersuchungszeitraum von 16 Jahren verstarben davon 1620 Teilnehmer.

Männer, die seit mehr als zwei Jahren verwitwet oder geschieden waren, hatten eine um 35 Prozent beziehungsweise 59 Prozent höhere Sterberate als Männer in weiter bestehenden Ehen. Offenbar erzeugt das Ende der Beziehung – sei es in der einen oder anderen Form – chronischen Stress, der langfristig die Gesundheit verschlechtert, vermuten die Forscher. Zudem sei bekannt, dass sich Männer nach einer Scheidung oder dem Tod der Frau weniger gesundheitsbewusst verhalten als zuvor, wodurch die Sterbewahrscheinlichkeit steigt. Bei einer Scheidung kann sich eine Verschlechterung der finanziellen Situation zusätzlich negativ auswirken. Außerdem nehmen alleinstehende ältere Männer meist weniger am sozialen Leben teil, was der psychischen Gesundheit schadet.

Bei den geschiedenen oder verwitweten Frauen war die Lebenserwartung nicht beeinträchtigt. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass Frauen generell mehr auf ihre Gesundheit achten und stärker sozial vernetzt sind. Aber dafür leiden sie wohl mehr als Männer unter dem psychischen Stress, den eine unglückliche Ehe verursacht. In einer solchen Beziehung war die Sterberate erhöht. Frauen, die ihre Partnerschaft als nicht befriedigend bezeichneten, hatten nach dem Tod des Mannes eine höhere Lebenserwartung als andere bei Fortsetzung einer solchen Beziehung. Für Männer wirkte sich das Ende der Ehe stets negativ aus, ob die Ehe nun glücklich war oder nicht. Um das Sterberisiko älterer Menschen richtig einzuschätzen, so die Autoren, müsse also beides, Beziehungsstatus und Qualität der Beziehung, berücksichtigt werden.

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