Salz macht trübes Wasser trinkbar

Dank einfacher Maßnahme ist solare Desinfektionstechnik auch bei verschlammten Quellen zu nutzen
Im direkten Vergleich zeigt sich die Wirkung, die die Zugabe von Salz auf trübes Wasser hat (rechts).
Im direkten Vergleich zeigt sich die Wirkung, die die Zugabe von Salz auf trübes Wasser hat (rechts).
© Michigan Technological University
Houghton (USA) - Ein schlichter Trick kann klares Trinkwasser von Krankheitskeimen befreien – und mit zwei schlichten Tricks geht dies auch bei schlammigem Wasser, berichten jetzt US-Forscher. So helfen in armen Weltregionen normale PET-Flaschen beim Säubern von Trinkwasser: Mit Wasser gefüllt, liegen sie für die sogenannte SODIS-Methode rund sechs Stunden in der prallen Sonne. Hitze und UV-Strahlung töten derweil einen Großteil möglicher Erreger ab. Allerdings funktionierte diese Methode nur für relatives klares Wasser – enthält es feine, schwebende Sedimente wie in Flüssen, so stößt SODIS an seine Grenzen. Doch ein einfacher Zusatz von Kochsalz, Natriumchlorid, lässt viele Schlammpartikel zu Boden sinken, berichten die Forscher in der kommenden Ausgabe des „Journal of Water, Sanitation, and Hygiene for Development“. Bei manchen Schlammarten ist es nötig, dass mit dem Salz zusätzlich Schlamm beigegeben wird, um die schwebenden Teilchen zu binden.

„Es ist eine einfache Technik, doch es ist eine technische Lösung für ein soziales Problem: In Entwicklungsländern haben viele Menschen keinen Zugang zu klarem Wasser“, erklärt Joshua Pearce, Professor für Materialforschung an der Michigan Technical University. „Und es ist sehr schwierig, lehmige Schwebstoffe loszuwerden. Doch wenn das nicht geht, funktioniert SODIS nicht – die Mikroorganismen verstecken sich unter dem Lehm und entgehen der UV-Strahlung.“ Deshalb suchten Pearce und Brittney Dawney von der Queen’s University in Ontario nach einer simplen, billigen Methode, das Wasser zu klären. Sie stellten fest, dass ein wenig Natriumchlorid die Lehmpartikel oft zum Ausflocken bringt: Sie binden sich an das Salz und trennen sich dabei von den umgebenden Wassermolekülen, welche sie bislang in der Schwebe hielten. Damit sinken sie zu Boden und machen den UV-Strahlen den Weg durchs Wasser frei. Das Wasser ist klar genug für SODIS, so Pearce, wenn man von oben durch die volle Plastikflasche eine Zeitungsseite untendrunter lesen kann.

„Es ist weniger salzig als das Fitnessgetränk Gatorade“, so Pearce. Damit sei das gereinigte Wasser für den menschlichen Körper gut verträglich. Ohnehin ist leicht salzhaltige Flüssigkeit bei heißen Temperaturen auch in unseren Breiten empfohlen, um den Mineralverlust durch das Schwitzen auszugleichen. Am besten bindet Natriumchlorid sogenannten Bentonit-Lehm, stellten die Forscher fest – die feinen Partikel aus einem Mischgestein entstehen durch das Verwittern von Vulkanasche, weshalb sie in vielen Weltgegenden zu finden sind. Leider schwebt Bentonit sehr dauerhaft in Wasser. Andererseits genügt das einfache Salz, es zum Absetzen zu bringen, so Pearce und Dawney. Auf andere schwebende Lehmarten wirkte das Salz weniger gut – allerdings fielen sie aus, wenn zum Salz auch ein wenig Bentonit zugegeben wurde. Dann klumpen die Lehmpartikel offenbar zusammen. Das Team untersucht nun weitere verschiedene Lehmsorten und unterschiedliche Bodenarten in Afrika, um die Methode zu optimieren.

Ein Forschungsteam der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore hatte kürzlich ergänzend festgestellt, dass sich die SODIS-Entkeimung mithilfe von Limettensaft stark beschleunigen lässt: Rund 15 Milliliter Saft pro Liter Wasser verkürzt die übliche Desinfektionszeit - sechs Stunden bei Sonne, zwei Tage bei Bewölkung - auf rund eine halbe Stunde bei Sonne.

ZUSATZINFORMATION
In Entwicklungsländern gilt eine schlechte Wasserversorgung und Mangel an Abwasseranlagen als Grund für rund 80 Prozent der Krankheitsfälle. An Durchfall etwa, dessen Erreger oft über das Wasser transportiert werden, und der damit verbundenen schnellen Austrocknung sterben in Afrika im Schnitt 4.000 Kinder pro Tag.

© Wissenschaft aktuell
Quelle: „Optimizing the Solar Water Disinfection (SODIS) Method by Decreasing Turbidity with NaCl“, Joshua Pearce & Brittney Dawney; Journal of Water, Sanitation, and Hygiene, Juni 2012;
DOI: 10.2166/washdev.2012.043
„Using Limes and Synthetic Psoralens to Enhance Solar Disinfection of Water (SODIS): A Laboratory Evaluation with Norovirus, Escherichia coli, and MS2“, Alexander S. Harding & Kellogg J. Schwab; American Journal of Tropical Medicine and Hygiene, 2012
DOI: 10.4269/ajtmh.2012.11-0370


 

Home | Über uns | Kontakt | AGB | Impressum
© Wissenschaft aktuell & Scientec Internet Applications + Media GmbH, Hamburg