Puffottern schützen sich durch chemische Tarnung

Die afrikanische Giftschlange produziert so wenig Körpergeruch, dass sie von ihren Feinden kaum aufgespürt werden kann
Die Puffotter (Bitis arietans) ist in Afrika weit verbreitet.
Die Puffotter (Bitis arietans) ist in Afrika weit verbreitet.
© Shutterstock, Bild 232446859
Johannesburg (Südafrika) - Puffottern sind Lauerjäger, die im Hinterhalt auf ihre Beute lauern. Um sich vor eigenen Feinden zu verbergen, haben diese Giftschlangen nicht nur ihre Körperfärbung der Umgebung angepasst. Sie sind zusätzlich durch einen stark verringerten Körpergeruch getarnt, berichten südafrikanische Biologen im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B”. In Experimenten gelang es weder trainierten Hunden noch Erdmännchen diese Schlangen über den Geruchssinn aufzuspüren. Bei aktiv jagenden Schlangenarten war die Erfolgsrate dagegen sehr hoch. Die Forscher halten es für möglich, dass sich auch andere Lauerjäger vor Räubern schützen, indem sie weniger Körpergeruch produzieren.

„Das ist der erste Nachweis einer chemischen Tarnung, die dem Schutz vor Räubern dient“, schreiben Ashadee Miller und ihre Kollegen von der University of the Witwatersrand in Johannesburg. Frühere Untersuchungen hatten ergeben, dass die jährliche Überlebensrate von Puffottern (Bitis arietans) in freier Natur nur bei etwa 50 Prozent liegt. Als natürliche Feinde seien 42 Tierarten bekannt, von den sich 15 stark nach dem Geruch orientieren. Aufgrund ihrer Jagdtechnik müssen Puffottern oft stundenlang an einem Ort verharren und können bei Gefahr nicht schnell genug fliehen. Daher könnte es sich für die Giftschlangen im Lauf der Evolution als vorteilhaft erwiesen haben, weniger Geruchsstoffe zu produzieren, um einer Entdeckung zu entgehen. Ob das auf eine im Vergleich zu anderen Schlangen geringere Stoffwechselaktivität zurückzuführen ist, bleibt vorerst ungeklärt.

Die Forscher nutzten die empfindlichen Nasen von Hunden und Erdmännchen (Suricata suricatta) als biologische Geruchsdetektoren. Vier Haushunde und fünf Erdmännchen wurden mehrere Wochen lang darauf trainiert, einen zuvor präsentierten Geruch unter sechs zur Auswahl angebotenen Proben wiederzuerkennen. Für die Experimente sammelten die Biologen Geruchsproben von Puffottern und folgenden Arten aktiv jagender Schlangen: von der Gemeinen Krötenviper Causus rhombeatus, der Aurora-Hausschlange Lamprophis aurora, der Kap-Feilennatter Gonionotophis capensis, der Kornnatter Pantherophis guttatus sowie der Natter Boaedon capensis. Dazu brachten sie die Tiere 40 Minuten lang in direkten Kontakt mit Baumwolltüchern, die dann in verschlossenen Glasbehältern aufbewahrt wurden.

In mehreren Testreihen identifizierten die Hunde mit 80-prozentiger Sicherheit den aufgenommenen Geruch jeder aktiv jagenden Schlangenart. Beim Geruch der Puffotter ergaben sich dagegen nur Zufallstreffer. In entsprechenden Versuchen mit Erdmännchen wurden die Lauerjäger im Gegensatz zu anderen Schlangen ebenfalls nicht erschnüffelt. Die jetzt nachgewiesene chemische Tarnung sei eine bisher nicht beachtete Strategie der Puffottern, die möglicherweise auch bei anderen Lauerjägern verbreitet ist, schreiben die Forscher. Ob der fehlende Körpergeruch den Tieren auch dabei hilft, bei der Jagd nach Nagetieren und Fröschen erfolgreicher zu sein, da sie von den Beutetieren nicht frühzeitig erkannt werden, müssen weitere Untersuchungen klären. Direkte chemische Analysen des Körpergeruchs sollen zudem zeigen, ob Puffottern und andere Schlangenarten mit derselben Jagdtechnik tatsächlich weniger Geruchsstoffe freisetzen als aktiv jagende Schlangen.

Puffottern zählen zu den häufigsten Giftschlangen Afrikas. Ihr Biss kann auch für Menschen tödlich sein. Bei Bedrohung blähen sich die Schlangen auf und erzeugen zischende Geräusche, indem sie Luft durch die Nase ausstoßen – daher der Name.

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