Ozonloch über der Antarktis schrumpft langsam

Neue Analyse zeigt erstmals Anzeichen für eine Zunahme der vor UV-Strahlung schützenden Sauerstoffverbindung
Ozonloch über Antarktis im Oktober 2015: Noch im vergangenen Herbst hat es eine Rekordgröße erreicht. Doch nun schrumpft es.
Ozonloch über Antarktis im Oktober 2015: Noch im vergangenen Herbst hat es eine Rekordgröße erreicht. Doch nun schrumpft es.
© DLR
Cambridge (USA)/Leeds (Großbritannien) - Über der Antarktis setzt jeden Frühling mit dem Aufgang der Sonne der Ozonabbau in der Atmosphäre ein. So erreichte das Ozonloch im Oktober letzten Jahres eine gigantische Ausdehnung von etwa 20 Millionen Quadratkilometern. Nun gelang es erstmals einer britisch-amerikanischen Forschergruppe, Beweise für das Schrumpfen des Ozonlochs über dem Südpol vorzulegen. Wie sie in der Fachzeitschrift „Science“ berichten, erholt sich die vor zellschädigender UV-Strahlung schützende Ozonschicht langsam. Das 1987 verabschiedete Montreal-Protokoll zum Verbot von ozonabbauenden Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) zeigt somit Wirkung. Doch bis zur kompletten Heilung des Ozonlochs werden wohl noch Jahrzehnte vergehen.

„Die Ursache für das Ozonloch über der Antarktis ist, dass es sich um den kältesten Ort auf Erden handelt“, sagt Susan Salomon vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. So setzt dort mit der im Frühling nach langer Dunkelheit aufgehenden Sonne die Zersetzung des Ozons bei tiefen Temperaturen von unter 78 Grad Celsius in etwa 20 Kilometer Höhe ein. Messungen aus dem September vergangenen Jahres, die Salomon zusammen mit ihren Kollegen von der britischen University of Leeds auswertete, zeigten erstmals ein Schrumpfen des Ozonlochs. „Das Schrumpfen des Ozonlochs im September 2015 ist konsistent mit der kleiner werdenden Menge an Chlorverbindungen in der Atmosphäre“, sagt Salomon.

Für ihren Nachweis nutzten Salomon und Kollegen Ozonmessungen, die seit 16 Jahren in der Atmosphäre mit Wetterballons und Satelliten durchgeführt werden. Bei diesen Messungen wird auch der Anteil an Schwefeldioxid bestimmt, der ebenfalls den Ozonabbau unterstützt, aber unter anderem bei Vulkanausbrüchen freigesetzt wird. Zusätzlich konnten die Forscher mit meteorologischen Daten wie Temperatur und Windgeschwindigkeit die Dynamik eines Ozonlochs ermitteln. Mit diesen Daten führten sie Simulationen durch, die auf die Entwicklung der Ozonkonzentration schließen ließen. Nicht nur das langsame, aber deutliche Schrumpfen um vier Millionen Quadratkilometer wurde erkennbar. Auch der verstärkte Ozonabbau im Oktober 2015 ließ sich eindeutig dem Ausbruch des Vulkans Calbuco in Chile zuordnen. Für die damalige Rekordausdehnung des Ozonlochs waren folglich nicht allein FCKW, sondern große, Partikelmengen vulkanischen Ursprungs verantwortlich.

So hoffnungsvoll dieses Ergebnis klingt, finden sich in der Atmosphäre immer noch genug Chlorverbindungen, um im Oktober signifikante Ozonmengen über der Antarktis zu zerstören. Meteorologen gehen davon aus, dass bis zu einer kompletten Heilung des Ozonlochs noch Jahrzehnte vergehen werden. Dennoch belegt das langsame Schrumpfen des Ozonlochs, das internationale Abkommen mit rigorosen Verboten geeignet sind, um gravierende Umweltschäden zu bekämpfen. „Die Welt entschied sich für das Verbot von FCKW und der Planet reagierte wie wir erwartet hatten“, sagt Salomon.

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