Neutronenstern mit Kohlenstoff-Atmosphäre
"Der kompakte Stern im Zentrum des berühmten Supernova-Überrests Cassiopeia A ist seit seiner Entdeckung ein Rätsel", erläutert Wynn Ho von der University of Southampton, einer der beiden Astrophysiker. Denn normalerweise zeigen Neutronensterne im Radio- und Röntgenbereich eine pulsierende Strahlung. Doch die kompakte Quelle in Cassiopeia A strahlt gleichmäßig. "Nun verstehen wir, dass diese Strahlung von einem heißen Neutronenstern mit einer Kohlenstoff-Atmosphäre produziert werden kann."
Neutronensterne haben einen Durchmesser von nur 20 Kilometern, in ihnen ist die Materie so dicht gepackt wie in Atomkernen. Der Kohlenstoff stammt, so vermuten Ho und sein Kollege Craig Heinke von der University of Alberta, teilweise aus Materie, die nach der Sternexplosion auf die Oberfläche des Neutronensterns zurück gefallen ist. Außerdem kann es unter den extremen Bedingungen an der Oberfläche des Neutronensterns auch zu nuklearen Reaktionen kommen, bei denen Wasserstoff und Helium zu Kohlenstoff fusionieren.
Ho und Heinke gehen davon aus, dass die ungewöhnlichen Eigenschaften des Neutronensterns in Cassiopeia A ihre Ursache in dem - von der Erde aus gesehen - geringen Alter des Supernova-Überrests haben. Weitere Beobachtungen sollen nun die Vorhersagen des neuen Modells der Forscher überprüfen - und zugleich einen Einblick geben in das frühe Leben eines sich abkühlenden Neutronensterns.
