Neuer Therapieansatz hemmt Ausbreitung von Hirntumoren

Um in gesundes Gewebe einzudringen, sind Glioblastomzellen auf ein Ionentransportprotein angewiesen
Glioblastoma_multiforme
Glioblastoma_multiforme
© Dr. Rodney D. McComb / The Armed Forces Institute of Pathology
Baltimore (USA) - Hirntumoren vom Glioblastomtyp breiten sich so schnell aus, dass verfügbare Therapien nur wenig wirksam sind. Amerikanische Mediziner haben jetzt entdeckt, dass die Beweglichkeit dieser Krebszellen von einem Protein abhängt, das den Transport von Ionen in die Zellen ermöglicht. Eine hohe Produktion dieses Transportproteins vergrößert das Zellvolumen und erhöht die Beweglichkeit. Umgekehrt verringert sie sich, wenn das Protein gehemmt wird. Im Tierversuch ließ sich mit einem entsprechenden Hemmstoff die Ausbreitung von Glioblastomen im Gehirn verlangsamen, schreiben die Forscher im Fachjournal „PLoS Biology“.

„Wenn wir diese Krebszellen stoppen könnten, bevor sie in andere Teile des Gehirns vordringen, würde das die Behandlung erleichtern und die Lebenserwartung sowie die Lebensqualität verbessern“, sagt Alfredo Quiñones-Hinojosa von der Johns Hopkins University in Baltimore. An Zellkulturen und in Tierversuchen untersuchte sein Forscherteam die Bedeutung des Proteins NKCC1 für die Beweglichkeit von Glioblastomzellen. NKCC1 schleust Natrium-, Kalium- und Chloridionen durch die Zellmembran und beeinflusst mit dem damit verbundenen Wasserfluss auch das Volumen der Zelle. Je größer die Aktivität des Transportproteins war, desto beweglicher waren die Zellen in der Kulturschale. Andererseits erhöhte eine Blockade der NKCC1-Produktion die Zahl der Kontaktstellen zwischen den Zellen und schränkte so deren Beweglichkeit ein.

Bei Mäusen, denen Glioblastomzellen injiziert wurden, konnte die Ausbreitung des Hirntumors durch die Hemmung des Proteins verlangsamt werden. Eine solche Wirkung hatte das für andere Zwecke bereits zugelassene Medikament Bumetanid. Untersuchungen verschiedener Proben menschlicher Glioblastome bestätigten die Bedeutung von NKCC1 für den Krankheitsverlauf. Sie zeigten, dass die Aggressivität eines Tumors mit dem NKCC1-Spiegel steigt. Das Protein könnte daher, so die Forscher, diagnostisch von Bedeutung sein und auch bei anderen Tumorarten eine wichtige Rolle spielen.

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Quelle: „Regulation of Brain Tumor Dispersal by NKCC1 Through a Novel Role in Focal Adhesion Regulation“, Tomas Garzon-Muvdi et al.; PLoS Biology, DOI: 10.1371/journal.pbio.1001320


 

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