Muschelkleber – Wie sie unter Wasser funktionieren

Positive Ladungsbarrieren müssen überwunden werden, um feste Klebeverbindungen auf feuchten Kontaktflächen aufbauen zu können
Muschelbank - Mit starken Adhäsionskräften halten sich die Muscheln selbst auf feuchtem Gestein unter Salzwasser fest.
Muschelbank - Mit starken Adhäsionskräften halten sich die Muscheln selbst auf feuchtem Gestein unter Salzwasser fest.
© Jonathan Wilker
Santa Barbara (USA) - Trotz starken Wellenschlags haften Muscheln, Austern und Seepocken fest an Riffen oder Felsen am Ufer. Viele Forscher versuchen, diese Haftkraft auch auf synthetische Muschelkleber zu übertragen. Doch bei feuchten Oberflächen oder gar in Salzwasser versagen die bisher entwickelten Klebstoffe. Eine mögliche Lösung für dieses Problem fanden nun kalifornische Wissenschaftler. In die Fachzeitschrift „Science“ berichten sie, dass Muscheln eine nasse Felsoberfläche zuerst von störenden elektrischen Ladungen reinigen bevor Haftproteine feste Bindungen eingehen können.

„Wasser verhindert eine Haftung auf polaren Oberflächen durch die Bildung von Hydrationsschichten“, erklären Herbert Waite und seine Kollegen von der University of California in Santa Barbara. Diese zeichnen sich durch positive elektrische Ladungen auf nassen Gesteinen aus. In ihren Versuchen konnten die Forscher das Geheimnis entschlüsseln, wie Muscheln diese Barriere überwinden konnten. Ihre Analysen zeigten, dass die Klebeproteine der Meerestiere auch große Anteile an den Aminosäuren Lysin und Arginin enthielten. Diese trugen bevorzugt positive Partialladungen. Mit diesen ließ sich die Ladungsbarriere auf den Steinen über die Abstoßungskräfte zwischen gleichen Ladungen beseitigen.

Nachdem die Muscheln diese Barriere auf physikalischem Wege beseitigen konnten, gingen sie die erstaunlich festen Bindungen zum Gestein ein. Dazu enthielten die Muschelproteine sogenannte Catechol-Gruppen, mit denen sich starke Adhäsionskräfte aufbauen ließen. Künstliche Muschelkleber bestehen aus Polymeren, die ebenfalls Catechol-Gruppen tragen. Doch funktionierten diese bisher nur an Luft und auf trockenen Oberflächen.

Diese natürliche Methode zur Überwindung von Ladungsbarrieren könnte nun zu einer neuen Generation künstlicher Muschelkleber führen. Gelingt es, dass diese auch in feuchter, salzhaltiger Umgebung mit basischem pH-Wert feste Bindungen eingehen, locken medizinische Klebstoffe, mit denen eines Tages Wunden oder Operationsschnitte schnell verschlossen werden könnten.

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