Metastudie bestätigt: Erhöhtes Schlaganfallrisiko bei Stress am Arbeitsplatz

Besonders Frauen sind betroffen, wenn sie einem Job mit hohen Anforderungen, aber wenig Kontrollmöglichkeiten nachgehen
Kellner im Stress
Kellner im Stress
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Guangzhou (China) - Eine hohe Stressbelastung am Arbeitsplatz geht mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einher. Diesen Verdacht erhärtet eine Metastudie, in der chinesische Mediziner die Ergebnisse aus sechs Studien zu der Thematik zusammengefasst haben. Das gilt insbesondere für Frauen und besonders stark steigt darüber hinaus das Risiko für sogenannte ischämische Schlaganfälle, die häufigste Form des Schlaganfalls. Weitere Studien müssten zeigen, schreiben die Forscher im Fachblatt „Neurology”, ob es das Schlaganfallrisiko verringern könne, arbeitsbedingten Stress zu reduzieren. Als besonders belastend bewerteten die Forscher Jobs mit hohen Anforderungen, aber geringen Kontrollmöglichkeiten, wie etwa im Service in der Gastronomie oder in der Krankenpflege.

„Viel Stress im Job zu haben, wird in Verbindung mit Herzkrankheiten gebracht”, erläutert Dingli Xu von der Southern Medical University in Guangzhou. „Doch Studien zu Stress im Job und Schlaganfall waren zu uneinheitlichen Ergebnissen gekommen.” Es sei denkbar, dass hochgradig stressige Arbeit zu ungesundem Verhalten führe, etwa schlechte Ernährungsgewohnheiten, Rauchen und wenig körperliche Betätigung. In ihre Analysen hatten die Forscher sechs Studien mit insgesamt 138.782 Teilnehmern einbezogen. Die Mediziner unterteilten Jobs dazu in vier Stresskategorien:
– „passiv”: mit geringen Anforderungen und wenig Kontrollmöglichkeiten, wie etwa Hausmeister oder Bergarbeiter
– „wenig stressend”: mit geringen Anforderungen, aber guten Möglichkeiten zur Kontrolle, wie beispielsweise bei Architekten oder Naturwissenschaftlern
– „stark stressend”: mit hohen Vorgaben, aber wenig Möglichkeiten zur Kontrolle, wie bei Kellnern oder Pflegepersonal
– „aktiv”: mit hohen Ansprüchen, aber auch guten Kontrollmöglichkeiten, etwa Lehrer oder Ingenieure

Probanden mit stark stressender Arbeit hatten im Vergleich zu Personen aus der Gruppe mit wenig stressenden Jobs ein um 22 Prozent höheres Schlaganfallrisiko. Bei Frauen war es sogar um 33 Prozent erhöht. Das Risiko, einen ischämischen Schlaganfall zu erleiden, stieg im Vergleich zwischen den beiden Kategorien um 58 Prozent. Bei dieser Form des Schlaganfalls kommt es aufgrund von Einengungen oder Verschlüssen von Blutgefäßen im Gehirn zu einer plötzlichen Minderdurchblutung bestimmter Hirnbereiche. Bei denjenigen mit „passiven” oder „aktiven” Jobs war dagegen im Vergleich mit wenig stressenden Jobs keine Risikoerhöhung zu beobachten.

Den statistischen Berechnungen von Xu und Kollegen zufolge könnten 4,4 Prozent des Schlaganfallrisikos auf Stress am Arbeitsplatz zurückzuführen sein. Bei Frauen liegt dieser Anteil sogar bei 6,5 Prozent. Weitere Studien seien notwendig, schreiben die Mediziner, um herauszufinden, ob Stress am Arbeitsplatz unmittelbar das Schlaganfallrisiko erhöht, oder ob andere begleitende Einflussfaktoren für das beobachtete erhöhte Risiko verantwortlich sind. Wer eine hohe Stressbelastung hat, empfehlen sie, solle sich mit seinen Lebensgewohnheiten beschäftigen.

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Quelle: „Association between job strain and risk of incident stroke – A meta-analysis”, Yuli Huang, Dingli Xu et al.; Neurology, im Druck


 

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