Mehr Schlaganfälle nach Zeitumstellung

Zwei Tage nachdem die Uhr vor oder zurück gestellt wurde, verzeichneten finnische Krankenhäuser mehr ischämische Schlaganfälle als zu anderen Zeiten
Am 27. März werden die Uhren wieder eine Stunde vorgestellt, auf die Sommerzeit.
Am 27. März werden die Uhren wieder eine Stunde vorgestellt, auf die Sommerzeit.
© Shutterstock, Bild 246500044
Turku (Finnland)/Vancouver (Kanada) - Bald steht sie wieder ungefragt vor der Tür und man kann sich nicht dagegen wehren – die Zeitumstellung. Viele lehnen sie kategorisch ab, weil sie schlicht lästig ist. Es ist zudem fraglich, ob sie tatsächlich Energie spart, und auch umstritten, ob sie der Gesundheit schaden kann, weil sie den Biorhythmus durcheinander bringt . Finnische Mediziner haben jetzt bei der Analyse von Krankenhausdaten einen weiteren Hinweis darauf gefunden, dass die verschobene Stunde tatsächlich nicht ganz spurlos am menschlichen Körper vorbeigeht: Kurz nach der Zeitumstellung, insbesondere in den beiden Tagen danach, steigt nämlich offenbar das Schlaganfallrisiko. Das führt zwar nicht dazu, dass mehr Leute sterben, aber es kommen mehr aufgrund eines ischämischen Schlaganfalls ins Krankenhaus. Dies ist die häufigste Form des Schlaganfalls, ausgelöst durch eine plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns. Ihre Analysen werden die Forscher Ende April auf der Jahrestagung der American Academy of Neurology in Vancouver vorstellen. Besonders empfindlich könnten ihren Ergebnissen zufolge Frauen, Krebspatienten und Senioren jenseits der 65 auf die umgestellte Zeit reagieren.

„Frühere Studien haben gezeigt, dass Unterbrechungen des circadianen Rhythmus', auch innere Uhr genannt, das Risiko für einen ischämischen Schlafanfall erhöhen”, erläutert Jori Ruuskanen von der Universität Turku. „Daher wollten wir herausfinden, ob auch die Zeitumstellung die Leute einem Risiko aussetzt.” Dazu hatten die Mediziner die medizinischen Daten eines ganzen Jahrzehnts zu Schlaganfällen geprüft – von 2004 bis 2013. Sie verglichen in ihren Analysen jeweils das Auftreten von Schlaganfällen während der Woche unmittelbar nach der Zeitumstellung (3033 Patienten) mit den Vorfällen zwei Wochen vor beziehungsweise zwei Wochen nach dieser Woche (insgesamt 11.801 Patienten).

Auch wenn die Ergebnisse keine Beweise für Ursache-Wirkung-Beziehungen sind, fanden sich einige statistische Zusammenhänge: Während der ersten beiden Tage nach der Zeitumstellung war die Rate ischämischer Schlaganfälle um acht Prozent erhöht. Zwar war am fünften Tag nach der Umstellung ein weiteres Ansteigen des Risikos zu verzeichnen, betrachteten die Forscher aber die gesamte Woche, schwächte sich der Effekt ab. Letztlich kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Zeitumstellung einhergeht mit einem erhöhten Aufkommen ischämischer Schlaganfälle während der ersten beiden darauffolgenden Tage. Obwohl es insgesamt keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt, was das Risiko ischämischer Schlaganfälle betrifft, waren Frauen offenbar anfälliger für die Auswirkungen der Zeitumstellung. Außerdem fanden die Mediziner, dass sich das Schlaganfallrisiko für Krebspatienten nach der Zeitumstellung im Vergleich zu normalen Tagen um 25 Prozent erhöhte. Für Senioren über 65 erhöhte es sich um 20 Prozent. Es verstarben aber in der Woche nach der Zeitumstellung nicht mehr Menschen im Krankenhaus aufgrund eines Schlaganfalls als gewöhnlich. „Weitere Studien müssen nun durchgeführt werden, um den Zusammenhang zwischen diesen Umstellungen und dem Schlaganfallrisiko besser zu verstehen”, so Ruuskanen, „und um herauszufinden, ob sich dieses Risiko verringern lässt.”

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Quelle: „Daylight Saving Time Transitions, Incidence and In-hospital Mortality of Ischemic Stroke”, Jussi O.T. Sipilä, Jori Ruuskanen, Päivi Rautava, Ville Kytö; American Academy of Neurology's 68th Annual Meeting in Vancouver, Canada, April 15 to 21, 2016


 

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