Lichtgeschwindigkeit ist unabhängig von der Wellenlänge
"Die Physiker würden gern Einsteins Beschreibung der Schwerkraft - die Relativitätstheorie - durch eine umfassendere Theorie ersetzen, die alle fundamentalen Kräfte umfasst", erklärt Peter Michelson, Chef-Wissenschaftler eines der Fermi-Teleskope. Eine solche Theorie müsste Relativität und Quantenphysik vereinen. Viele Ansätze für eine solche Quanten-Gravitation sagen voraus, dass der Raum auf kleinsten Skalen - der so genannten Planck-Länge von 10 hoch minus 35 Metern - eine schaumige oder körnige Struktur aufweist.
Diese Körnigkeit des Raumes könnte einen Einfluss auf die Ausbreitung elektrischer Strahlung haben: Je kleiner die Wellenlänge - also je höher die Energie - desto stärker würde die Strahlung die Struktur des Raumes spüren und dadurch langsamer werden. Auf der Erde lässt sich ein solcher Effekt mit heutigen Mitteln nicht nachweisen, da er extrem klein ist. Doch über kosmische Entfernungen hinweg können selbst kleine Unterschiede in der Ausbreitungsgeschwindigkeit zu messbaren Differenzen beim Eintreffen der Strahlung auf der Erde führen.
Michelson und seine Kollegen haben nach solchen Unterschieden in einem Gammastrahlungsausbruch gesucht, den Fermi am 10. Mai dieses Jahres registrierte. Doch die Photonen mit der höchsten Energie trafen gerade einmal neun Zehntel einer Sekunde später als die Photonen mit niedriger Energie ein. Damit kann die Lichtgeschwindigkeit zwischen diesen Energien höchsten um den 100 millionsten millionsten Teil voneinander abweichen. Dieses Ergebnis spricht nach Ansicht der Forscher dafür, dass die Lichtgeschwindigkeit auch im Bereich der Planck-Länge unabhängig von der Wellenlänge ist. "Damit müssen wir alle neuen Theorien der Gravitation verwerfen, die eine starke Energieabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit vorhersagen", so Michelson.
