Langzeitstudie bestätigt: Kinder mit hohem IQ leben länger

Ergebnisse zeigen unter anderem einen besonders engen Zusammenhang zwischen der Intelligenz und dem Risiko, an Erkrankungen von Herz, Gefäßen und Atemwegen zu sterben
Bei einer Normalverteilung haben rund 68 % der Menschen einen mittleren IQ zwischen 85 und 115.
Bei einer Normalverteilung haben rund 68 % der Menschen einen mittleren IQ zwischen 85 und 115.
© Alessio Damato, Mikhail Ryazanov / Creative-Commons-Lizenz (CC BY-SA 3.0), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de
Edinburgh (Großbritannien) - Die bisher größte Studie dieser Art bestätigt einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Intelligenzquotienten (IQ) im Kindesalter und der Lebensdauer. Je besser die in einem Intelligenztest erzielten Ergebnisse, umso geringer waren beispielsweise die Risiken, im Lauf des Lebens an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, an einem Schlaganfall oder einer Atemwegsinfektion zu sterben, berichten schottische Forscher. Dieser Effekt beruhe aber nicht allein darauf, dass intelligentere Menschen weniger rauchen und meist Berufe ergreifen, die weniger gesundheitsbelastend sind, erklären sie im „British Medical Journal“. Vielmehr könnten dabei auch vorerst noch unbekannte genetische Faktoren eine Rolle spielen, die sowohl die Intelligenz als auch die Lebenserwartung günstig beeinflussen.

Es gebe mehrere Hypothesen, die die Verbindung zwischen Intelligenz und Mortalität erklären, schreiben die Forscher um Ian Deary und Catherine Calvin von der University of Edinburgh. So sei bekannt, dass sich intelligentere Menschen gesundheitsbewusster verhalten, indem sie weniger rauchen, mehr Sport treiben und über Gesundheitsthemen besser informiert sind. Einen Zusammenhang mit dem IQ gebe es für die Wahl des Berufs, die Qualität der konsumierten Lebensmittel und andere Lebensumstände, die auch Krankheitsrisiken beeinflussen könnten. Selbst nachdem zumindest einige dieser Einflussfaktoren bei der statistischen Auswertung der neuen Studie berücksichtigt wurden, blieb der ursprüngliche Zusammenhang bestehen – ein Hinweis auf mögliche genetische Ursachen.

Die Forscher werteten Daten sämtlicher Kinder aus, die 1936 in Schottland geboren wurden und im Alter von elf Jahren einen Intelligenztest absolvierten. Dieser 45-minütige Test bewertete verbale und nicht verbale Denkleistungen, wobei maximal 76 Punkte erzielt werden konnten. Es beteiligten sich 65.765 Menschen, von denen Daten bis zu ihrem Tod oder bis zum Alter von 79 Jahren genutzt wurden. Je besser das Abschneiden im IQ-Test, desto geringer war die Gesamtsterberate – unabhängig von der Todesursache. Ein um 15 Punkte besseres Testergebnis senkte das Risiko für Atemwegserkrankungen, koronare Herzkrankheiten und Schlaganfall um 24 bis 28 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer tödlichen Verletzung, einer Demenz oder Magen-Darm-Erkrankung verringerte sich bei derselben Leistung um 16 bis 19 Prozent.

Ein Zusammenhang mit Krebserkrankungen ergab sich insbesondere für Magen- und Lungenkrebs, in geringerem Maße auch für weitere Krebsarten, deren Risiko mit dem Tabakkonsum steigt. Insgesamt waren die Zusammenhänge zwischen IQ und Krankheitsrisiko bei Frauen etwas stärker ausgeprägt als bei Männern. Auch durch diese Studie ist allerdings noch immer nicht eindeutig bewiesen, dass es tatsächlich Gene gibt, die gleichzeitig für einen hohen IQ sorgen und die Chance auf ein langes Leben vergrößern.

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