Kosmischer Kannibalismus: Andromeda frisst Zwerggalaxien
"Astronomen haben zwar früher schon Spuren solcher Sternströme gefunden", erklärt Nicolas Martin vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, einer der beteiligten Forscher, "doch erst jetzt ist es gelungen, eine so detaillierte Karte eines Sternstromgebiets zu erstellen." Sechs verschiedene Ströme zeigen die im Rahmen des Projekts PAndAS ("Pan-Andromeda Archaeological Survey", wörtlich übersetzt: "Ganz Andromeda umfassende archäologische Durchmusterung") erstellten Bilder. Zwei der Ströme sind Neuentdeckungen. Keiner war bis dahin so genau vermessen worden wie in der PAndAS-Untersuchung. Die neuen Daten bilden den Ausgangspunkt für Versuche, die Entwicklung der Andromeda-Galaxie über die letzten Milliarden Jahre nachzuvollziehen.
"Die Sternströme sind die Überreste von Zwerggalaxien, die sich Andromeda einverleibt hat", so Martin weiter. "Wir haben also einen galaktischen Kannibalen auf frischer Tat ertappt. Die betreffenden Sternströme werden sich im Laufe der nächsten Milliarden Jahre zerstreuen. Dann wird nichts mehr darauf hinweisen, dass diese Sterne einmal Teil einer anderen Galaxie waren."
Auch die Geschichte des Dreiecksnebels, einer kleineren Begleitgalaxie von Andromeda, muss im Licht der neuen Ergebnisse umgeschrieben werden. "Wir haben überzeugende Hinweise darauf gefunden, dass die beiden Galaxien vor einigen Milliarden Jahren in eine Kollision verwickelt waren", so Martin. Das zeige ein neu entdeckter Schweif aus Sternen, der bei diesem Zusammentreffen durch die Schwerkraft der Andromeda-Galaxie aus dem Dreiecksnebel herausgerissen wurde.
