Kosmische Strahlung: Zu viele Positronen
Das internationale Detektor-Experiment "Payload for Antimatter Matter Exploration and Light-nuclei Astrophysics", kurz Pamela, zur Untersuchung der kosmischen Strahlung war am 15. Juni 2006 als Teil eines russischen Forschungssatelliten ins All gestartet und umkreist seither die Erde. Die jetzt im Fachblatt "Nature" präsentierten Ergebnisse basieren auf Messungen zwischen Juli 2006 und Februar 2008. In dieser Zeit registrierte Pamela insgesamt rund eine Milliarde Ereignisse, davon 151.672 Elektronen und 9430 Positronen im Energiebereich von 1,5 bis 100 Giga-Elektronenvolt. Positronen sind die elektrisch positiv geladenen Antiteilchen der Elektronen.
Als Hauptquelle dieser Antiteilchen gilt die Wechselwirkung zwischen Atomkernen in der kosmischen Strahlung und dem interstellaren Gas. Doch während bei einer solchen sekundären Produktion eine Abnahme des Positronen-Anteils mit wachsender Energie zu erwarten wäre, zeigen die Pamela-Daten im Gegensatz dazu einen deutlichen Anstieg. Es müsse also, so folgern die Wissenschaftler, zusätzlich eine zweite Positronenquelle geben.
Mögliche Kandidaten dafür wären einerseits Neutronensterne und Schwarze Löcher in unserer näheren kosmischen Umgebung. Andererseits könnten Elektronen und Positronen aber auch beim Zerfall von Teilchen der Dunklen Materie entstehen. Etwa 80 Prozent der Materie im Kosmos besteht nach heutigen Erkenntnissen aus bislang unbekannten Elementarteilchen. Der Positronen-Überschuss könnte also Hinweise darauf liefern, woraus die Dunkle Materie besteht. Die Forscher hoffen, dass weitere Messungen mit Pamela schon bald eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Möglichkeiten der Positronen-Produktion erlauben.
