Kannibalismus nährt Sternen-Nachzügler
"Seit 55 Jahren wundern wir uns über diese ungewöhnlichen Sterne", sagt Alison Sills von der McMaster University in Hamilton, Kanada. "Es gab bislang zwei Theorien für ihre Entstehung. Zum einen könnten sie durch den Zusammenstoß von zwei Sternen entstehen, zum anderen dadurch, dass sie einem Partnerstern Materie entreißen."
Um herauszufinden, welche dieser Theorien zutrifft, haben Sills und ihre Kollegen 56 Kugelsternhaufen untersucht. Sie fanden heraus, dass die Zahl der Blauen Nachzügler in den Haufen in keinerlei Zusammenhang mit der vorhergesagten Anzahl der Sternkollisionen steht. Damit war die erste Theorie vom Tisch. Stattdessen stießen die Forscher auf einen bislang unbekannten Zusammenhang zwischen der Zahl der Blauen Nachzügler und der Masse des Haufenkerns.
"Das ist der bislang stärkste Beweis dafür, dass Blaue Nachzügler durch den Massentransfer zwischen zwei Sterne entstehen", erklärt Christian Knigge von der University of Southampton, der ebenfalls an dem Projekt beteiligt war. Denn massereiche Haufenkerne enthalten auch mehr Doppelsterne. Diese Schlussfolgerung werde auch durch vorläufige Beobachtungen unterstützt, die die Anzahl von Doppelsternen in Haufenkernen direkt gemessen haben. "Mit weiteren Beobachtungen wollen wir jetzt untersuchen, ob die Entstehung von Blauen Nachzüglern isoliert stattfindet", sagt Knigge, "oder ob dynamische Begegnungen mit anderen Haufensternen dabei eine wichtige Rolle spielen."
