Ist Vollkornbrot gesünder?

Wie Brotsorten den Blutzuckerspiegel und andere Blutwerte beeinflussen, hängt von der individuellen Darmflora ab und ist bei verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich
Lieber Weißbrot oder Vollkornbrot? – das ist hier die Frage.
Lieber Weißbrot oder Vollkornbrot? – das ist hier die Frage.
© Hans / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de
Rehovot (Israel) - Im Vergleich zu Weißbrot gilt Vollkornbrot als das gesündere Lebensmittel – aufgrund seines höheren Gehalts an Ballaststoffen, Vitamin B und Mineralien. Doch in einer vergleichenden Ernährungsstudie konnten israelische Forscher jetzt einen solchen generellen Unterschied nicht bestätigen. Die Brotsorte wirkte sich zum einen kaum auf die Darmflora aus und beeinflusste zum anderen auch gesundheitsrelevante gemittelte Blutwerte der jeweiligen Studiengruppe nicht. Allerdings ergaben sich unerwartete individuelle Unterschiede: So hatte bei einigen der Konsum von Weißbrot einen negativen Effekt auf die Kontrolle des Blutzuckerspiegels, während bei den anderen das Vollkornbrot diese Wirkung zeigte. Analog zur zunehmend personalisierten Medizin werde in Zukunft wohl auch die Ernährungsberatung stärker personalisiert werden müssen, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Cell Metabolism“.

„Entgegen unserer Erwartungen ergab die erste Auswertung unserer Messwerte keine klinisch relevanten Unterschiede zwischen den Wirkungen der beiden Brotsorten“, sagt Eran Segal vom Weizmann Institute of Science in Rehovot. An der Studie beteiligten sich 20 gesunde Menschen, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Alle Testpersonen konsumierten üblicherweise etwa 10 Prozent ihrer mit der Nahrung aufgenommenen Kalorien in Form von Brot. Für die Untersuchung erhöhten beide Gruppen jeweils eine Woche lang ihren Brotkonsum, so dass dessen Kalorienanteil auf 22 Prozent stieg. Dabei verzehrten die einen industriell hergestelltes Weißbrot, die anderen erhielten frisch gebackenes Sauerteig-Vollkornbrot. Nach einer zweiwöchigen Zwischenphase ohne Brot wechselten die Gruppen die Brotsorte für eine weitere Woche.

DNA-Analysen von Kotproben zeigten, dass sich die Zusammensetzung der individuellen Darmflora jedes Einzelnen durch den Wechsel des Brotverzehrs nur geringfügig veränderte. Auch die Blutwerte für Zucker, Cholesterin, Fett, Mineralstoffe und Entzündungsmarker blieben unbeeinflusst von der Sorte des konsumierten Brotes – aber nur, wenn die Messwerte für die jeweilige Personengruppe zusammengefasst und gemittelt wurden. Eine individuelle Auswertung aller Daten lieferte dagegen ein ganz anderes Ergebnis: So erhöhte sich bei der Hälfte der Probanden der Blutzuckerspiegel vorübergehend stärker nach dem Verzehr von Vollkornbrot. Bei der anderen Hälfte hatte das Weißbrot den größeren Effekt.

Allein aufgrund des von Mensch zu Mensch unterschiedlichen Artenspektrums der Darmbakterien konnten die Forscher voraussagen, welche Brotsorte im Hinblick auf den Zuckerstoffwechsel für jeden Einzelnen „gesünder“ war. Weitere Forschungen auf diesem Gebiet könnten dazu beitragen, jedem Menschen die Nahrungsmittel zu empfehlen, die am besten zu ihm passen, sagt Teammitglied Eran Elinav. Ihre Studie, so die Autoren, betone die Bedeutung einer Personalisierung bei Ernährungsempfehlungen und weise darauf hin, dass generelle Ratschläge zur Ernährung nur von begrenztem Wert sein könnten.

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