Happy-Heart-Syndrom: Auch große Freude kann das Herz brechen

Nicht nur Trauer oder Angst, auch starke positive Emotionen können eine Herzschwäche auslösen
Auch starke positive Gefühle können dem Herzen schaden.
Auch starke positive Gefühle können dem Herzen schaden.
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Zürich (Schweiz) - Der Verlust eines geliebten Menschen und andere emotionale Belastungen können eine meist vorübergehende Herzschwäche auslösen, das sogenannte Takotsubo-Syndrom – auch als Gebrochenes-Herz-Syndrom bezeichnet. Dabei weitet sich die linke Herzkammer und ähnelt dann einer krugförmigen japanischen Tintenfischfalle (Takotsubo). Typische Symptome sind Brustschmerzen und Atemnot, die einen Herzinfarkt vermuten lassen. Ein ganz ähnliches, in der akuten Phase lebensbedrohliches Krankheitsbild hat ein internationales Forscherteam jetzt bei Patienten beobachtet, die intensive Glücksgefühle erlebt hatten. Offenbar können sowohl negative als auch positive Emotionen Nervenbahnen aktivieren, die schließlich auf dieselbe noch unbekannte Weise das Herz schädigen, berichten die Mediziner im „European Heart Journal”.

„Unsere Befunde erweitern das klinische Spektrum des Takotsubo-Syndroms”, sagt Jelena Ghadri vom UniversitätsSpital Zürich. Ärzte sollten wissen, dass Patienten, die kurz nach einem freudigen Erlebnis mit Anzeichen eines Herzinfarkts in eine Notfallstation eingeliefert werden, am „Happy-Heart-Syndrom“ leiden könnten. Zusammen mit Christian Templin und weiteren Kollegen wertete Ghadri Daten von 485 europäischen und US-amerikanischen Patienten aus, bei denen das Takotsubo-Syndrom diagnostiziert worden war. Bei 96 Prozent der überwiegend weiblichen Patienten traten die Symptome nach dem Erlebnis starker negativer Emotionen auf, darunter der Tod des Ehepartners oder eines nahen Verwandten, ein schwerer Unfall, Kummer wegen einer Krankheit oder Beziehungsprobleme.

Vier Prozent der Betroffenen dagegen berichteten von einem freudigen Ereignis kurz vor der Einlieferung in das Krankenhaus. Dazu zählten eine Geburtstags- oder Überraschungsparty, eine Hochzeit, der Sieg eines Rugbyteams oder die Geburt eines Enkels. Die Patienten der Broken-Heart-Gruppe waren im Schnitt 65 Jahre alt, die der Happy-Heart-Gruppe 71. Elektrokardiogramm, Blutwerte und weiterer Krankheitsverlauf stimmten für beide Gruppen weitgehend überein. Positive Emotionen wurden bisher eher mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Doch möglicherweise sind einige Menschen besonders anfällig dafür, dass sich freudige Erregung schädlich auf das Herz auswirkt.

Die neuen Ergebnisse könnten dazu beitragen, den noch unbekannten Mechanismus der Krankheitsentstehung aufzuklären. Obwohl freudige und traurige Erlebnisse ganz unterschiedliche Reaktionen im Gehirn auslösen, aktivieren wahrscheinlich beide auch gemeinsame Nervenbahnen im zentralen Nervensystem, die das Herz schädigen, sagt Templin. Um der Krankheitsursache auf die Spur zu kommen, wollen die Forscher nun durch funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) die Hirnregionen analysieren, in denen Gefühle der Patienten verarbeitet werden. Dass auch freudige Ereignisse dem Herzen schaden können, dürfte eigentlich nicht ganz überraschend sein. Schließlich sei nach Angaben der Autoren bekannt, dass das Risiko eines Menschen, einen Herzinfarkt zu erleiden, an seinem Geburtstag um 27 Prozent höher ist als an jedem anderen Tag im Jahr.

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