Hai Alter!

Neuer Rekord: Mit einer maximalen Lebenserwartung von rund 400 Jahren ist der Grönlandhai das Wirbeltier mit der bislang längsten bekannten Lebensspanne
Grönlandhai im Uummannaq Fjord im Nordwesten von Grönland
Grönlandhai im Uummannaq Fjord im Nordwesten von Grönland
© Julius Nielsen
Kopenhagen (Dänemark) - Der Grönlandhai kann offenbar rund 400 Jahre alt werden. Damit erreicht der Fisch die wohl längste Lebensspanne, die jemals bei einem Wirbeltier erfasst wurde. Das haben Isotopenanalysen der Linse im Auge ergeben, wie ein internationales Team von Biologen im Fachblatt „Science” berichtet. Geschlechtsreif werden die Tiere vermutlich erst in einem Alter von etwa 150 Jahren. Mit seiner hohen Lebenserwartung sticht der Grönlandhai den Grönlandwal als bisherigen Rekordhalter unter den Wirbeltieren aus. Und selbst nur sehr wenige Wirbellose wie beispielsweise die Islandmuschel werden noch älter.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Grönlandhai zu den langlebigsten Wirbeltieren gehört und sogar den Grönlandwal übertrifft, dessen Lebensdauer auf 211 Jahre geschätzt wird”, schreiben Julius Nielsen von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen. Die Biologen hatten bei insgesamt 28 weiblichen Grönlandhaien, die zwischen 2010 und 2013 als Beifang in Fischernetzen gelandet waren, bestimmte Isotope des sogenannten Linsenkerns analysiert, darunter das Kohlenstoffisotop C14. Dieser Linsenkern entsteht ungefähr zum Zeitpunkt der Geburt und dessen spezifische Signatur der Isotope wird beeinflusst von der Ernährung des Muttertieres. Das charakteristische Muster der Isotope lässt Rückschlüsse auf das Alter des Linsenkerns und somit auf das Alter des Tieres zu. Die so gewonnenen Daten setzten die Forscher wiederum in Zusammenhang mit der Größe der Fische, denn die Korrelation zwischen Alter und Größe der Tiere ist bereits seit längerem bekannt.

Die beiden größten untersuchten Haie waren auch die ältesten. Das größte Weibchen hatte eine Länge von 502 Zentimetern und ist den Analysen und Berechnungen zufolge 392 ± 120 Jahre alt; das zweitgrößte erreichte 493 Zentimeter und 335 ± 75 Jahre. Nur bei den drei kleinsten Exemplaren, die kürzer waren als 220 Zentimeter, fanden die Biologen Zeichen der Atombombenexplosionen Mitte des 20. Jahrhunderts. Durch die überirdischen Atomwaffentests gelangten in den 1950er Jahren große Mengen an C14 in die Umwelt und dementsprechend wurde in dem Jahrzehnt danach auch deutlich mehr C14 von Lebewesen aufgenommen. Im Schnitt ergab sich eine Lebensspanne von durchschnittlich mindestens 272 Jahren. Da weibliche Grönlandhaie mit einer Größe von etwa 4 Metern geschlechtsreif werden, ergibt sich ein Alter für die Geschlechtsreife von 156 ± 22 Jahren, schließen die Biologen.

Die Radiokarbonmethode oder auch Radiokohlenstoffdatierung zur Altersbestimmung basiert auf dem Zerfall des radioaktiven Kohlenstoffisotops C14. Man macht sich zunutze, dass ein Lebewesen zu Lebzeiten mit der Nahrung und der Atemluft kontinuierlich Kohlenstoff aufnimmt und damit auch das radioaktive C14. Stirbt das Lebewesen, findet diese Aufnahme nicht länger statt und das bereits aufgenommene C14 zerfällt langsam. Anhand der Zerfallsrate und dem verbliebenen Anteil an C14 lässt sich dann in etwa bestimmen, wann das Lebewesen verstorben ist. C14 hat eine Halbwertzeit von 5730 ± 40 Jahren, das heißt nach dieser Zeit ist die Hälfte der ursprünglich vorhandenen Menge zerfallen. Die Methode findet Anwendung für Altersbestimmungen in einem Bereich von 300 bis 60.000 Jahren. Im Fall des Linsenkerns der Haie, oder auch anderer Lebewesen, lässt sie sich ebenfalls anwenden, da dieser Kern einmalig bei der Geburt angelegt und das in ihm vorhandene C14 dann nicht mehr erneuert wird, sondern dem natürlichen Zerfall ausgesetzt ist.

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