Händchenhalten dämpft den Schmerz

Je größer die Empathie eines Mannes, desto stärker ist der schmerzlindernde Effekt, den er durch Körperkontakt bei seiner Partnerin erzielt
Stark empathische Menschen können durch Händchenhalten Schmerzen merklich lindern.
Stark empathische Menschen können durch Händchenhalten Schmerzen merklich lindern.
© Shutterstock, Bild 6664354
Haifa (Israel) - In Gegenwart eines geliebten Menschen lassen sich Schmerzen besser ertragen. Verstärkt wird diese schmerzlindernde Wirkung durch Berührung wie das Halten der Hand. In Experimenten mit Paaren erwies sich der positive Effekt als umso stärker, je größer die Empathiefähigkeit des Berührenden war, berichten israelische Forscher im „Journal of Pain“. Derselbe körperliche Kontakt mit einem fremden Mann wirkte sich dagegen bei den Frauen nicht auf ihr Schmerzempfinden aus. Indem Väter bei der Geburt ihres Kindes die Hand ihrer Partnerin halten, könnten sie offenbar mehr dazu beitragen, Schmerzen zu verringern, als wenn sie nur anwesend sind.

„Unsere Ergebnisse zeigen einen synergistischen schmerzlindernden Effekt von Berührung und Empathie, der beim Schmerzmanagement zum Beispiel während der Geburt eingesetzt werden könnte“, schreiben Irit Weissman-Fogel und ihre Kollegen von der Universität Haifa. Eine frühere Studie habe ergeben, dass die Gegenwart des Partners in 60 Prozent der Fälle für weniger Geburtsschmerzen sorgt. Die Forscher gingen der Frage nach, von welchen Faktoren es abhängt, wie stark die betäubende Wirkung eines direkten körperlichen Kontaktes ist. An der Studie beteiligten sich 23 heterosexuelle Paare, die im Schnitt seit vier Jahren zusammen waren. Die Männer und Frauen waren 19 bis 40 Jahre alt.

Mit Hilfe eines Fragenkatalogs wurde für alle Paare die jeweilige Qualität ihrer romantischen Beziehung ermittelt. Ein weiterer Fragebogen diente dazu, die Empathiefähigkeit der Männer zu messen – also die Fähigkeit, Gefühle wie Trauer, Freude oder Schmerz anderer Menschen zu erkennen und nachzuempfinden. Die Forscher erzeugten bei den Frauen Schmerzen durch einen Hitzereiz am Unterarm. Die Schmerzstärke bewerteten die Probandinnen auf einer Skala von 0 bis 100 mit 60. Vor Beginn der eigentlichen Experimente lernten die Männer diesen Schmerz einmal selbst kennen. Dann musste jede Frau den Hitzeschmerz in unterschiedlichen Situationen erleiden: erstens allein; zweitens in Gegenwart ihres Partners – aber ohne körperlichen Kontakt; drittens Händchen haltend mit ihrem Partner und viertens mit einem fremden Mann, der die Hand der Frau hielt. Jeweils im Anschluss daran beurteilten die Frauen die Stärke des gerade erlebten Schmerzes und die Männer schätzten, wie stark der Schmerz für die Frau gewesen sein könnte.

Hielt ein Fremder die Hand, waren die Schmerzen ähnlich stark wie die allein empfundenen Schmerzen. Das Händchenhalten des Partners hatte einen stark betäubenden Effekt, der bei bloßer Anwesenheit des Mannes ohne Körperkontakt deutlich geringer war. Außerdem ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang mit dem Empathiewert des Mannes: Je größer die Empathie, desto stärker die schmerzdämpfende Wirkung des Körperkontaktes. Stark empathische Männer schätzten das Ausmaß der Schmerzen ihrer Partnerin beim Händchenhalten sehr viel besser ein als ohne Berührung. Fehlte der Kontakt, überschätzten diese Männer die positive Wirkung ihrer Gegenwart. Bei der statistischen Auswertung wurden das Alter der Probanden sowie Qualität und Dauer der Beziehung als mögliche Einflussfaktoren mit berücksichtigt.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Berührung zuverlässig Gefühle vermitteln kann, und dass der Empfänger diese übermittelten Gefühle auch erkennt“, schreiben die Autoren. Durch welche neurobiologischen Mechanismen Empathie und Körperkontakt das Schmerzempfinden beeinflussen, müssen weitere Studien noch klären.

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