Große Vulkanausbrüche beeinflussen Wasserhaushalt von Flüssen

Statistische Klimastudie zeigt signifikante Auswirkungen der Eruptionen auf die Pegelstände von Nil, Amazonas oder Kongo
Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991. In die Atmosphäre geschleuderte Staubmengen kühlten für einige Jahre das Erdklima ab.
Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991. In die Atmosphäre geschleuderte Staubmengen kühlten für einige Jahre das Erdklima ab.
© Nasa
Edinburgh (Großbritannien) - Kühlere Sommer, Ozonabbau und Schwefelsäure in Niederschlägen: Große Vulkanausbrüche haben für einige Jahre einen starken Einfluss auf das Erdklima. Die Auswirkungen auf die größten Flüsse der Erde analysierten nun zwei schottische Klimaforscherinnen. Wie sie in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ berichten, können signifikant niedrigere Pegelstände nach einem Vulkanausbruch die Wasserversorgung gefährden. Mit regional höheren Pegelständen dagegen steige dafür das Risiko für Überflutungen.

„Unsere Ergebnisse helfen, die Auswirkungen von zukünftigen Vulkanausbrüchen auf die großen Flüsse weltweit vorherzusagen“, sagt Carley E. Iles von der University of Edinburgh. Zusammen mit ihrer Kollegin Gabriele Hegerl sammelte sie Strömungsdaten von insgesamt 50 großen Flüssen wie dem Amazonas, dem Nil oder dem Missisippi. Je nach Datenlage konnten sie den Einfluss von bis zu sechs großen Vulkanausbrüchen seit Ende des 19. Jahrhunderts - vom Krakatau 1883 bis zum Pinatubo 1991 – mit großer statistischer Sicherheit bestimmen.

Bei all diesen Ausbrüchen stießen die Vulkane gigantische Gesteins- und Staubmengen aus. In der Atmosphäre rund um den Erdball verteilt sank die mittlere Temperatur um bis zu einem halben Grad. Die Aerosole schirmten das Sonnenlicht einige Jahre so gut ab, dass deutlich weniger Wasser verdunstete und damit auch die Niederschläge geringer ausfielen. Dies war der wesentliche Grund, warum Flüsse in Afrika, im Norden Südamerikas und in Sibirien ein bis drei Jahre lang weniger Wasser führten als im langjährigen Mittel. Doch in einigen Regionen kam es nach Vulkanausbrüchen auch zu verstärkten Niederschlägen. Flüsse im südlichen Südamerika und im Südwesten Nordamerikas zeigten in den Folgejahren signifikant höhere Pegelstände.

Erstmals gelang es Iles und Hegerl, den Einfluss weiterer Parameter wie natürliche Schwankungen oder Klimaphänomene wie El Niño in ihrer statistischen Analyse zu berücksichtigen. So konnten sie die Vulkanausbrüche in den meisten Fällen eindeutig als Ursache für die je nach Region gefallenen oder gestiegenen Pegelstände verantwortlich machen. Auf der Grundlage ihrer Studie könnten sich nun die Anwohner der großen Ströme nach einem zukünftigen Vulkanausbruch besser auf die veränderte Verfügbarkeit von Wasser in den Folgejahren einstellen.

Eindringlich warnen die Wissenschaftlerinnen auch vor der Methode des Geoengineerings, bei dem große Aerosolmengen künstlich in der Atmosphäre verteilt werden könnten, um der Erderwärmung entgegen zu wirken. Diese könnten neben einer Abkühlung des Erdklimas ähnlich schädliche Nebeneffekte wie ein Vulkanausbruch haben und damit die Lebensgrundlage von Millionen Menschen gefährden.

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