Geringer Alkoholspiegel verbessert den Geruchssinn

Alkohol verändert bestimmte Hirnaktivitäten so, dass Hirnzellen aktiviert werden, die Geruchssignale verarbeiten
Einer Hypothese zufolge ließe sich der Geruchssinn des Menschen verbessern, indem hemmende Einflüsse des Gehirns blockiert werden.
Einer Hypothese zufolge ließe sich der Geruchssinn des Menschen verbessern, indem hemmende Einflüsse des Gehirns blockiert werden.
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Rehovot (Israel) - Die Riechleistung des Menschen lässt sich durch Konsum geringer Alkoholmengen steigern. Wie israelische Forscher berichten, beruht diese Wirkung wahrscheinlich darauf, dass der Alkohol hemmende Einflüsse bestimmter Hirnzellen auf das Geruchszentrum der olfaktorischen Rinde aufhebt. Sowohl Messungen unter Laborbedingungen als auch Tests bei zufällig ausgewählten Barbesuchern ergaben einen engen Zusammenhang zwischen dem Blutalkoholspiegel und der Riechleistung, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Behavioural Brain Research”. Nach stärkerem Alkoholkonsum schnitten die Testpersonen bei den Riechtests allerdings wieder schlechter ab als diejenigen, die nüchtern blieben.

„Wenn wir auch den genauen Mechanismus dafür noch nicht kennen, können wir doch mit Sicherheit feststellen, dass ein geringer Alkoholspiegel zu einer verbesserten Riechleistung führt“, erklären Yaara Endevelt-Shapiraa vom Weizmann Institute of Science in Rehovot und Kollegen. Frühere Untersuchungen hatten Hinweise darauf geliefert, dass eine für das Geruchsempfinden verantwortliche Hirnregion beim Menschen einer ständigen Hemmung durch Signale aus dem präfrontalen Cortex unterliegt. Wird die Funktion dieses Teils der vorderen Hirnrinde durch Alkohol leicht geschädigt, so die Hypothese, könnte das die Hemmwirkung aufheben und die Riechleistung steigern.

Die Forscher prüften diese Annahme in verschiedenen Experimenten mit 85 Männern und Frauen im Alter von durchschnittlich 26 Jahren. In den Laboruntersuchungen tranken die Testpersonen ein Glas Saft, dem entweder Wodka zugesetzt war oder nicht. Die nach Wodkakonsum gemessenen Blutalkoholwerte lagen zwischen 0,05 und 1,1 Promille. In der ersten Testreihe erhielten die Probanden dann jeweils drei Gefäße mit einer Flüssigkeit; nur eine davon enthielt einen nach Rosen duftenden Geruchsstoff in unterschiedlichen Konzentrationen. Die Aufgabe bestand darin, bei immer weiter sinkender Konzentration das Gefäß mit dem Rosenduft noch zu erkennen. In einer anderen Testreihe ging es darum, zwischen identischen und verschiedenen Gerüchen zu unterscheiden.

Die Riechleistung verbesserte sich bis zu einem Alkoholspiegel von etwa 0,6 Promille und nahm dann wieder ab. Zusätzliche Tests bestimmter kognitiver Hirnfunktionen unterstützten die Ausgangshypothese: Menschen, bei denen die hemmende Aktivität des präfrontalen Cortex nur schwach ausgeprägt war, erzielten bessere Ergebnisse in den Geruchstests. In einer Feldstudie ermittelten die Forscher schließlich die Alkoholspiegel von Besuchern einer Bar. Die anschließende Geruchsprüfung zeigte ebenfalls einen klaren Zusammenhang zwischen der Alkoholkonzentration im Blut und der Riechleistung.

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