Gen lässt Gesicht jünger oder älter aussehen

Je nachdem welche Varianten eines bestimmten Gens im Erbgut vorliegen, werden Menschen um fast zwei Jahre jünger oder älter geschätzt, als es ihrem biologischen Alter entspricht
Ein aus jeweils zwölf Einzelaufnahmen kombiniertes Gesicht einer 47-jährigen (linke Gesichtshälfte) und einer 70-jährigen Frau (rechte Gesichtshälfte) verdeutlicht altersbedingte Veränderungen der Haut.
Ein aus jeweils zwölf Einzelaufnahmen kombiniertes Gesicht einer 47-jährigen (linke Gesichtshälfte) und einer 70-jährigen Frau (rechte Gesichtshälfte) verdeutlicht altersbedingte Veränderungen der Haut.
© Fan Liu
Rotterdam (Niederlande) - Wer älter aussieht, als er wirklich ist, hat mindestens ein Gen, das andere in dieser Form nicht haben. Das beim Blick ins Gesicht wahrgenommene Alter wird durch bestimmte Varianten eines Gens beeinflusst, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Current Biology”. Unabhängig von der Zahl an Falten und Pigmentflecken lassen einige dieser Varianten ein Gesicht fast zwei Jahre jünger oder älter erscheinen. Das Gen MC1R kontrolliert offenbar nicht nur die Färbung von Haar und Haut. Auf noch ungeklärte Weise wirkt es sich auch auf die Hautalterung aus. Weitere Forschungen könnten neue Erkenntnisse über generelle Merkmale des Alterungsprozesses liefern.

„Wir haben erstmals ein Gen identifiziert, das teilweise erklärt, warum einige Leute älter und andere jünger aussehen, als es ihrem Alter entspricht“, sagt Manfred Kayser von der Erasmus MC Universität in Rotterdam, einer der leitenden Wissenschaftler der Arbeitsgruppe. Aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass Merkmale des Gesichts, die Rückschlüsse auf das Alter erlauben, etwa zu gleichen Teilen von genetischen Faktoren und der Umwelt beeinflusst werden. Zudem bestand eine Verbindung zwischen einem jung erscheinenden Gesicht und guter Gesundheit. Die Forscher werteten genetische Daten von 2700 älteren Niederländern aus, die an einer Langzeitstudie teilnahmen. Jeweils 27 Menschen schätzten das Alter jeder Testperson aufgrund von Porträtaufnahmen. Die Zahl der Gesichtsfalten und Pigmentflecke wurde durch ein Bildanalyseprogramm ermittelt. Als zusätzliche Einflussfaktoren berücksichtigten die Wissenschaftler die Hautfarbe und die Häufigkeit der Solariumbesuche.

Bei der Suche nach einem Zusammenhang zwischen dem geschätzten Alter und speziellen DNA-Abschnitten im Erbgut stießen die Forscher auf das Gen MC1R, das die Produktion des Melanocortinrezeptors 1 in der Haut steuert. Dieser reguliert, in welchem Verhältnis das dunklere Eumelanin und das hellere Phäomelanin produziert werden. Vier der zahlreichen Varianten dieses Gens bewirkten, dass der Mensch älter geschätzt wurde, als er war. Männer und Frauen mit zwei dieser vier Genvarianten wirkten im Schnitt 1,8 Jahre älter als Gleichaltrige ohne einen solchen Gentyp. Die Stärke des Effekts entsprach in etwa der bekannten Wirkung des Rauchens und war bei Männern etwas stärker ausgeprägt als bei Frauen. Die Beziehung erwies sich als unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfärbung, Ausmaß der Sonnenexposition und Zahl der Gesichtsfalten. Das Ergebnis konnte durch entsprechende Untersuchungen an Teilnehmern zweier weiterer Studien bestätigt werden.

Das Gen MC1R spielt auch eine Rolle bei Entzündungsreaktionen, bei der Wundheilung und bei der Reparatur von DNA-Schäden. Möglicherweise erklären diese Funktionen des Gens seinen Einfluss auf Alterungsprozesse der Haut. Die Forscher gehen davon aus, dass es noch weitere Gene gibt, die beeinflussen, wie andere das Alter eines Menschen beurteilen. Um auch diese aufzuspüren, seien ähnliche genetische Analysen mit einer größeren Zahl an Probanden nötig. „Wir glauben, dass dieses Forschungsgebiet mit am besten dazu geeignet ist herauszufinden, wie Menschen gesund altern können”, sagt Co-Autor David Gunn vom Unilever-Forschungslabor in Bedfordshire. Auch für forensische DNA-Analysen könnten die Ergebnisse solcher Studien von Bedeutung sein, da sie helfen würden, Alter und Aussehen eines Täters zu ermitteln.

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