Gemischte Asteroiden
"Wenn das Nizza-Modell korrekt ist, dann sind die alten Vorstellungen über den Asteroidengürtel falsch", stellt Harold Levison vom Southwest Research Institute in Boulder in den USA fest. Das vor vier Jahren entwickelte Nizza-Modell beschreibt die Frühzeit des Sonnensystems. Nach diesem Modell sind die äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun in einer relativ engen Zone im 5- bis 15-fachen Abstand Erde-Sonne entstanden. Durch eine Resonanz zwischen der Jupiter- und der Saturnbahn wurde diese Konfiguration instabil und die Planeten wanderten zu ihren heutigen Plätzen im Sonnensystem.
Dabei sorgten sie allerdings für allerlei Durcheinander, denn außerhalb der großen Planeten schwirrten noch viele Kleinkörper aus der Entstehungszeit des Sonnensystems herum. Frühere Simulationen hatten gezeigt, wie daraus der Kuiper-Gürtel jenseits der Neptunbahn entstanden ist. Die Berechnungen von Levison und seinen Kollegen zeigen nun, dass aber auch viele der Kleinkörper in das innere Sonnensystem geschleudert wurden und heute im Asteroidengürtel ihre Bahn ziehen.
Während im inneren Bereich des Asteroidengürtels felsige Himmelkörper dominieren, findet man weiter außen vermehrt eisige, kometenähnliche Objekte. Bislang haben die Astronomen darin einen wichtigen Hinweis auf den Verlauf der "Schneelinie" in der Entstehungsphase des Sonnensystems gesehen. Damit bezeichnen die Forscher jene Entfernung von der Sonne, ab welcher Wasserdampf kondensieren und Eis bilden konnte. Diese Vorstellung muss, wenn sich die Simulationen von Levison und seinem Team bestätigen, zu den Akten gelegt werden. Denn dann stammt ein Großteil der eisigen Körper des Asteroidengürtels aus den äußeren Bereichen des Sonnensystems.
