Gebt mir ein „O”!

Der Mexikanischen Bulldoggfledermaus helfen spezialisierte Gesichtsmuskeln, das Maul zu formen und so ihre Ultraschallschreie zu modulieren
Mexikanische Bulldoggfledermaus (Tadarida brasiliensis)
Mexikanische Bulldoggfledermaus (Tadarida brasiliensis)
© National Park Service (NPS)
Honululu (USA) - Eine neu entdeckte Muskelgruppe könnte klären, wie Fledermäuse die räumliche Ausbreitung ihrer Schreie kontrollieren können: Mit Hilfe spezieller Gesichtsmuskeln beeinflussen manche Fledermäuse, ob sie einen schmalen oder einen breiten Schallkegel produzieren und optimieren so ihre Orientierung per Echolot. Die wendigen Flugsäugetiere formen ihr Maul dabei mitunter ähnlich, wie sich der menschliche Mund beim Aussprechen des Lautes „O” formt. Das haben zwei amerikanische Neurowissenschaftler bei einer amerikanischen Fledermausart beobachtet. Die Tiere heben dazu vor jedem Ultraschallimpuls, den sie zur Echolokation aussenden, ihre Nase und Lippen an. Für die menschliche Gesichtsmuskulatur ist eine solche Formung des Mundes zur Lautbildung nichts Besonderes. Bei Tieren, insbesondere bei kleinen Säugetieren, ist dies jedoch äußerst ungewöhnlich, berichteten die US-Biologen auf einer Konferenz der Acoustical Society of America, die gemeinsam mit der Acoustical Society of Japan in Honolulu tagte.

„Diese Art der Kontrolle der Lautgebung ist einzigartig im Tierreich”, sagte Samantha Trent vom Texas A&M Institute for Neuroscience. „Es ist spannend, Tiere zu studieren, die solch spezielle Fähigkeiten haben, und jedem zu zeigen, dass Fledermäuse tatsächlich total cool sind – auch wenn wir das in unserer Arbeitsgruppe schon immer wussten.” Gemeinsam mit ihren Kollegen Michael Smotherman hatte Trent bei der Mexikanischen Bulldoggfledermaus (Tadarida brasiliensis) eher zufällig als gezielt eine große Muskelgruppe entdeckt, die sich von der Mitte der Schädeloberseite direkt nach unten erstreckt. Da Muskelstränge mit einer solchen Größe und einem solchen Verlauf bei kleinen Säugetieren ungewöhnlich sind, haben die Forscher deren Funktion näher untersucht. Sie analysierten unter anderem die Aktivitätsmuster der Muskeln, während die Tiere ihre typischen Ultraschalllaute ausstießen, und auch wie die Veränderung des Mauls die Form des Schallkegels beeinflusste, der sich beim Schreien vom Maul der Tiere ausgehend ausbreitet.

So stellten sie etwa fest, dass die Aktivierung der besagten Muskelgruppe tatsächlich in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit dem Ausstoßen der Schreie steht. Wenn die Fledermäuse nur ihre Nasenspitze anheben, schaffen sie eine schmälere Öffnung und einen weitwinkligen Schallkegel. Dagegen entsteht eine weitere Öffnung und ein schmälerer Kegel, wenn die Tiere gleichzeitig die vorderen und seitlichen Lippen heben. „Es sieht ganz so aus, als ob dieses bestimmte Set von Muskeln daran beteiligt ist, die Form des Fledermausmauls zu verändern – insbesondere während der Echolokation”, erläuterte Trent. „Wir nehmen an, dass dies zur Fähigkeit der Fledermaus beiträgt, die Form des ausgesandten Schallwellen-Kegels zu modifizieren.”

© Wissenschaft aktuell
Quelle: „Specialized facial muscles support sonar beam-forming by free-tailed bats”, Michael Smotherman, Samantha Trent; The 172nd Meeting of the Acoustical Society of America, Honululu, Hawaii


 

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