Evolution des Menschen: Vielfalt der Hautkeime ging verloren

Im Vergleich zu Affen hat der moderne Mensch ein viel geringeres Artenspektrum an Hautbakterien, unter denen heute die Staphylokokken dominieren
Im feuchten Milieu der Achselhöhle ist die Keimzahl an Hautbakterien besonders hoch.
Im feuchten Milieu der Achselhöhle ist die Keimzahl an Hautbakterien besonders hoch.
© Shutterstock, Bild 211524952
Durham (USA) - Die Bakterien auf unserer Haut halten Krankheitserreger ab und beeinflussen den individuellen Körpergeruch. Amerikanische Biologen haben jetzt untersucht, wie sich das natürliche Artenspektrum der Hautbakterien während der Evolution vom Affen zum Menschen verändert hat. Zum einen verringerte sich dabei die Vielfalt an Bakterienarten. Zum anderen entwickelten sich erst beim Menschen die Staphylokokken zu den vorherrschenden Hautkeimen, berichten die Forscher im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B”. Neben biologischen Unterschieden im Aufbau der Haut bei Menschen und anderen Primaten hat sich auch der Gebrauch von Körperpflegemitteln wie Seifen und Deos auf die Zusammensetzung der Hautflora des modernen Menschen ausgewirkt.

„Wir untersuchten eine Co-Evolution von Mensch und Mikroben, indem wir die Hautkeime von Menschen und unseren nächsten Verwandten – Menschenaffen und anderen Affen – verglichen haben“, schreiben die Biologen um Julie Horvath von der North Carolina Central University in Durham. Mit Wattetupfern nahmen sie Hautabstriche aus den Achselhöhlen von 37 Menschen, fünf Gorillas, sieben Schimpansen, elf Pavianen und zwei Rhesusaffen. DNA-Analysen lieferten für jedes Individuum das gesamte Spektrum aller vorhandenen Bakterienarten.

Allen gemeinsam war das Vorkommen von vier großen Gruppen von Bakterien: Staphylokokken, Corynebakterien, Anaerococcus- und Prevotella-Arten. Diese fanden sich in großer Zahl bei mindestens 95 Prozent aller untersuchten Primaten. Die Artenzahl der Hautkeime insgesamt war beim Menschen am geringsten, lag bei den Menschenaffen deutlich höher und erreichte die höchsten Werte bei Pavianen und Rhesusaffen. Das erklären die Forscher mit der vergleichsweise hohen Dichte an Schweißdrüsen in den Achselhöhlen von Mensch, Schimpanse und Gorilla. Das schafft dort Bedingungen, die einige der ursprünglichen Hautkeime im Wachstum fördern und andere hemmen. Die vorherrschenden Arten des menschlichen Keimspektrums zählten zu den Corynebakterien und Staphylokokken.

Unter allen Primaten war beim Menschen der Anteil von Staphylokokken an der Hautflora am größten. Außerdem ergaben sich hier auch die größten individuellen Unterschiede im Artenspektrum. Naheliegende Ursache dafür wäre der unterschiedliche Gebrauch von Deodorants und Antitranspirants. So ist aus anderen Studien bekannt, dass die Benutzung von Deos den Anteil von Staphylokokken an den Hautkeimen in den Achselhöhlen auf Kosten der Corynebakterien erhöht. Wer also keine Deos benutze, würde das Artenspektrum seiner Hautbakterien dem der Menschenaffen angleichen, schreiben die Autoren. In den Achselhöhlen von Pavianen und Rhesusaffen fanden die Forscher häufig auch Arten von Bakterien, die sonst eher im Boden, im Darm und in der Mundhöhle vorkommen und bei Menschen und Menschenaffen nur selten nachgewiesen wurden.

Im Lauf der Primatenevolution hat sich also offenbar das Artenspektrum der Hautflora immer mehr verringert. Die größere Dichte und veränderte Verteilung der Schweißdrüsen, Ernährung und Lebensweise sowie in jüngster Zeit auch die Gewohnheiten der Körperpflege haben zur heute typischen Hautflora des modernen Menschen beigetragen. Die jetzt vorliegenden Daten können helfen, besser zu erkennen, wann Abweichungen von der „natürlichen“ Zusammensetzung des Keimspektrums mit Gesundheitsrisiken verbunden sind.

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