Entwarnung: Kein erhöhtes Hautkrebsrisiko durch Viagra

Die Einnahme von Medikamenten gegen Erektionsstörungen ist zwar statistisch mit einem größeren Melanomrisiko verbunden, ein ursächlicher Zusammenhang besteht aber offenbar nicht
Medikamente gegen Erektionsstörungen erhöhen das Hautkrebsrisiko nicht.
Medikamente gegen Erektionsstörungen erhöhen das Hautkrebsrisiko nicht.
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New York (USA) - Männer, die Viagra, Levitra oder Cialis einnehmen, haben auch ein leicht erhöhtes Risiko, an schwarzem Hautkrebs, dem Melanom, zu erkranken. Dieser statistische Zusammenhang bedeutet aber nicht, dass Medikamente gegen Erektionsstörungen den Krebs verursachen, wie jetzt aus einer schwedischen Studie hervorgeht. Gegen eine ursächliche Beziehung spricht unter anderem, dass die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung nicht mit der Häufigkeit der Medikamenteneinnahme steigt. Der Zusammenhang beruhe demnach eher auf einem Einflussfaktor, der Männer sowohl häufiger zu solchen Medikamenten greifen lässt als auch das Melanomrisiko erhöht, berichten die Forscher im Fachblatt „JAMA“. Es gebe Hinweise darauf, dass Bildungsstand und Einkommen als mögliche Faktoren dafür in Frage kämen.

„Medikamente gegen erektile Dysfunktion sind sehr effektiv und verbessern die Lebensqualität für viele Männer; ob sie das Hautkrebsrisiko erhöhen, ist zweifelhaft“, sagt Stacy Loeb vom Krebszentrum der New York University. Ihre Studie zeige, dass Männer mit größerem Melanomrisiko häufig auch über ein höheres Jahreseinkommen und bessere Bildung verfügen. Diese Personen können es sich zum einen leisten, öfter Urlaub in der Sonne zu machen, was die Entwicklung von Hautkrebs begünstigt. Zum anderen würden sie sich auch eher Mittel gegen Erektionsstörungen besorgen, die sehr teuer sind. Zwischen der Einnahme dieser Mittel und dem Krebsrisiko bestünde dann keine kausale Beziehung.

Die Wirkung von Sildenafil (Handelsname: Viagra), Vardenafil (Levitra) und Tadalafil (Cialis) beruht auf der Hemmung des Enzyms Phosphodiesterase-5. Neben dem erwünschten Effekt könnte die Hemmung aber auch einen biochemischen Signalweg beeinflussen, an dem dieses Enzym beteiligt ist und der bei der Entstehung von schwarzem Hautkrebs eine Rolle spielt. Eine im vorigen Jahr veröffentlichte kleine Studie hatte die Möglichkeit eines solchen Zusammenhangs bestätigt. Die umfangreichere neue Studie greift auf schwedische Medizinregister zurück und erfasst Daten von 4065 Männern mit einem Melanom und mehr als 20.000 Kontrollpersonen. Von den Krebspatienten hatten elf Prozent eines der drei Medikamente aufgrund ärztlicher Verschreibung eingenommen. Bei den anderen waren es acht Prozent.

Insgesamt war zwar die Medikamenteneinnahme mit einem um 21 Prozent erhöhten Melanomrisiko verbunden. Aber die Krankheitswahrscheinlichkeit vergrößerte sich nicht mit der Anzahl der insgesamt geschluckten Tabletten, was bei einer Ursache-Wirkung-Beziehung zu erwarten wäre. Außerdem bestand der Zusammenhang nur bei Melanomen im Anfangsstadium, doch nicht bei fortgeschrittener Erkrankung. Gegen eine ursächliche Beziehung spricht auch, dass Viagra, Levitra und Cialis jeweils mit einem ganz ähnlichen Krebsrisiko verbunden waren. Dabei unterscheiden sich die Mittel in ihrer Halbwertszeit und damit in der Wirkungsdauer, was sich in unterschiedlich starken Effekten auf das Krebsrisiko äußern müsste. Ein weiterer Befund unterstützt die Unbedenklichkeit der Medikamente: Männer, die diese Mittel einnahmen, erkrankten auch mit ähnlich großer Wahrscheinlichkeit an einem Basaliom, einer ganz anderen Form von Hautkrebs. Das wäre durch die Hemmung des Enzyms nicht zu erklären, da sich Basaliome und Melanome auf unterschiedliche Weise entwickeln. Nach jetzigem Wissensstand, sagt Loeb, seien also für Männer, die Medikamente gegen Erektionsstörungen einnehmen, keine besonderen Vorsorgemaßnahmen im Hinblick auf Hautkrebs nötig.

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