Depression: Zu wenig Sonne vermindert die Hirnleistung

Depressive Menschen, die zu wenig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, leiden eher unter nachlassendem Gedächtnis
Die Sonne (Celestia with Addon by Runar Thorvaldsen)
Die Sonne (Celestia with Addon by Runar Thorvaldsen)
© NikoLang / Wikipedia public domain
Birmingham (USA) - Wohnorte mit geringer Sonnenscheindauer wirken sich nicht nur negativ auf die Psyche aus. Wer sich bei einer Depression zu wenig dem Sonnenlicht aussetzt, kann dadurch auch seine Gedächtnisleistung beeinträchtigen, berichten amerikanische Forscher. Ursache dafür könnten veränderte Hormonspiegel oder eine schlechtere Durchblutung des Gehirns sein. Wenn die Beziehungen zwischen Sonnenscheindauer, jahreszeitlich bedingter Depression und kognitiven Hirnfunktionen aufgeklärt sind, wären gezieltere Gegenmaßnahmen möglich, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Environmental Health".

"Wir haben herausgefunden, dass bei depressiven Menschen, die nur einer geringen Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, die Wahrscheinlichkeit einer kognitiven Beeinträchtigung deutlich erhöht ist", sagt Shia Kent von der University of Alabama at Birmingham. "Wenn das Wetter nicht nur die Stimmung, sondern auch geistige Fähigkeiten beeinflusst, hat das wichtige therapeutische Konsequenzen - speziell für die Behandlung der saisonal-affektiven Störung." Shia und seine Kollegen werteten medizinische Informationen von 14.500 Teilnehmern einer Langzeitstudie zusammen mit Daten von Wettersatelliten aus, um Zusammenhänge zwischen kognitiver Hirnleistung, Depression und Sonnenscheindauer am Wohnort aufzudecken. Dabei zeigte sich, dass bei depressiven Menschen eine abnehmende Sonnenscheindauer mit einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit beeinträchtigter Hirnleistungen gekoppelt ist. Bei nicht depressiven Menschen hatte das Ausmaß der Sonneneinstrahlung keinen Effekt auf die gemessenen Hirnfunktionen.

Der tägliche Hell-Dunkel-Wechsel wirkt sich über die innere Uhr unter anderem auf die Spiegel der Hormone Serotonin und Melatonin aus, von denen bekannt ist, dass sie die Hirnleistung beeinflussen. Die tägliche Sonnenscheindauer hat aber auch einen Einfluss auf die Durchblutung des Gehirns, die direkt mit den Hirnfunktionen zusammenhängt, so die Forscher. Diese Zusammenhänge genauer aufzuklären, könnte zu neuen Behandlungen für Patienten mit depressiven Störungen führen und helfen, kognitive Hirnfunktionen zu stabilisieren.

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Quelle: "Effect of sunlight exposure on cognitive function among depressed and non-depressed participants: a REGARDS cross-sectional study", Shia T. Kent et al., Environmental Health (im Druck)


 

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