Cranberry-Extrakt senkt Darmkrebsrisiko bei Mäusen

Mit dem Futter verabreichte konzentrierte Inhaltsstoffe der Beeren wirken entzündungshemmend und blockieren möglicherweise dadurch das Wachstum von Darmtumoren
Cranberries enthalten mehrere Substanzen mit unterschiedlicher gesundheitsfördernder Wirkung.
Cranberries enthalten mehrere Substanzen mit unterschiedlicher gesundheitsfördernder Wirkung.
© Shutterstock, Bild 221777428
Boston (USA) - Cranberries enthalten Substanzen, die im Labor die Vermehrung von Darmkrebszellen hemmen, ohne normale Darmzellen zu schädigen. Jetzt haben amerikanische Forscherinnen gezeigt, dass ein mit der Nahrung aufgenommener Extrakt der Beeren das Wachstum von Darmtumoren bei Mäusen verringern kann. Auf welchen Inhaltsstoffen die krebshemmende Wirkung beruht, sollen weitere Untersuchungen noch klären, berichteten die Wissenschaftlerinnen auf einer Tagung der American Chemical Society in Boston. Die mehrwöchige Behandlung mit Cranberry-Extrakt bewirkte auch einen Rückgang von Entzündungsreaktionen, die bei bestimmten Darmerkrankungen eine Krebsentstehung begünstigen.

„Cranberry-Extrakt könnte auch vor anderen Krebsarten schützen, aber es erscheint sinnvoll, zunächst den Darmkrebs daraufhin zu untersuchen“, sagt Catherine Neto von der University of Massachusetts in Dartmouth, die Leiterin der Arbeitsgruppe. Denn wenn der Extrakt mit der Nahrung verabreicht wird, gelangen daraus freigesetzte Wirkstoffe auf direktem Weg an ihr Ziel. Die Forscherinnen arbeiteten mit Mäusen, die aufgrund einer experimentell ausgelösten Darmentzündung mit großer Wahrscheinlichkeit Darmtumoren entwickeln. Sie mischten in das Futter der Tiere entweder einen Gesamtextrakt von Cranberries oder Teilextrakte, von denen der eine die Polyphenole und der andere hauptsächlich Lipidbestandteile enthielt. Eine vierte Gruppe von Mäusen erhielt Futter ohne Zusatz und diente als Kontrolle.

Nach 20 Wochen waren bei denen, die den Gesamtextrakt erhalten hatten, Zahl und Größe der Tumoren um mehr als die Hälfte geringer als bei den Kontrollmäusen. Auch der Spiegel an Interleukin-1 und Interleukin-6 – zwei Botenstoffe, die Entzündungsreaktionen anzeigen – war verringert. Die Behandlung mit den Teilextrakten erzielte in beiden Fällen ähnliche aber weniger starke Wirkungen. „Möglicherweise gibt es einen Synergie-Effekt von Polyphenolen und anderer Inhaltsstoffe“, sagt Neto. Aus ihren Untersuchungen mit Zellkulturen hatte sie geschlossen, dass Polyphenole wie die Proanthocyanidine, die unter anderem als Antioxidans wirken, oder andere Substanzen wie Ursolinsäure für die Entzündungs- und Krebshemmung verantwortlich sein könnten. Dabei könnte die Krebsentwicklung dadurch verhindert werden, dass chronische Entzündungen abklingen.

Wenn die chemische Natur der Wirkstoffe ermittelt ist, ließen sich daraus vielleicht neue Medikamente herstellen. Es wäre auch möglich, dass die eigentlich wirksamen Substanzen erst im Darm durch Veränderung von natürlichen Inhaltsstoffen entstehen. In den Fütterungsversuchen war die Menge der täglich verabreichten Extrakte so gewählt, dass sie umgerechnet auf den Menschen einer Dosis von einer Schale Cranberries pro Tag entsprach. Cranberry-Saft, so Neto, wäre wohl weniger wirksam, weil darin kaum Bestandteile der Beerenhaut enthalten sind.

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