Bleibendes Mitbringsel: Im Urlaub steigt das Körpergewicht

Die nach ein bis drei Wochen erreichte leichte Gewichtszunahme bleibt mindestens sechs Wochen, möglicherweise sogar dauerhaft bestehen
Jederzeit verfügbare Speisen und Getränke lassen auch im Aktivurlaub das Körpergewicht steigen.
Jederzeit verfügbare Speisen und Getränke lassen auch im Aktivurlaub das Körpergewicht steigen.
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Athens (USA) - Wer aus dem Sommerurlaub zurückkommt, hat in der Regel etwas zugenommen. Das zusätzliche Gewicht geht aber nicht schnell wieder verloren, sondern bleibt mindestens sechs Wochen lang erhalten, berichten amerikanische Forscher. Auch verstärkte körperliche Aktivität während des Urlaubs verhindert die Gewichtszunahme nicht. Verursacht würde das wahrscheinlich durch eine vermehrte Zufuhr von Kalorien – beispielsweise auch durch erhöhten Alkoholkonsum, erklären die Wissenschaftler im Fachblatt „Physiology & Behavior”.

„Das ist die erste Studie, die den Effekt eines kurzen Sommerurlaubs auf das Körpergewicht von Erwachsenen untersucht“, schreiben Jamie Cooper von der University of Georgia in Athens und Theresa Tokar von der Texas Tech University in Lubbock. Die beiden Forscher sammelten Daten von 122 Männern und Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren, die zwischen März und August für ein bis drei Wochen in ein Urlaubsgebiet reisten. Von diesen Personen waren 38 Prozent übergewichtig und 15 Prozent fettleibig. In der Woche vor und direkt nach dem Urlaub sowie sechs Wochen nach der Rückkehr ermittelten die Wissenschaftler Körpergewicht, Größe und Blutdruck der Probanden. Außerdem füllte zu diesen Zeiten jeder einen Fragebogen aus, der Rückschlüsse auf die momentane Stressbelastung ermöglichte.

Im Durchschnitt nahmen die Teilnehmer insgesamt in der Urlaubszeit 320 Gramm zu, die Normalgewichtigen allein betrachtet etwas weniger. Dieser Wert ist mehr als doppelt so hoch wie die mittlere Gewichtszunahme erwachsener US-Bürger im gleichen Zeitraum. Sie beträgt pro Jahr im Schnitt 0,4 bis 1 Kilogramm, wie andere Studien ergeben haben. Je länger der Urlaub war, desto stärker erhöhte sich das Körpergewicht. Stressniveau und systolischer Blutdruck nahmen während des Urlaubs ab und blieben auch sechs Wochen später noch auf dem niedrigen Wert. Da die meisten im Urlaub ihre körperliche Aktivität steigerten, kann ein zu geringer Energieverbrauch in dieser Zeit nicht zum erhöhten Körpergewicht geführt haben. Stattdessen wäre eine verstärkte Zufuhr von Kalorien am Urlaubsort eine plausible Erklärung, schreiben die Autoren. Die meisten Probanden gaben auch an, im Urlaub mehr gegessen und etwa doppelt so viel Alkohol getrunken zu haben wie üblich.

Einer Theorie zufolge kontrolliert der Körper sein Gewicht durch Hunger- und Sättigungssignale so, dass ein bestimmter, mit den Jahren allerdings leicht steigender Sollwert beibehalten wird. Demnach wäre zu erwarten, dass im Urlaub zugelegtes Gewicht schnell wieder verloren geht. Möglicherweise ist das zusätzliche Gewicht zu gering und löst deshalb keine kompensierenden Reaktionen des Körpers aus, vermuten die Forscher. Es sei daher nicht ausgeschlossen, dass der beobachtete Urlaubseffekt die jährliche Gewichtszunahme beschleunigt – wenn er sich als dauerhaft erweist. Der zunächst kaum merkliche, sich mit den Jahren aber summierende Anstieg des Körpergewichts auf diesem Weg könnte nach Ansicht der Autoren sogar die Entwicklung von Fettleibigkeit begünstigen.

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