Besser mal den Schnabel halten

Häufiger Gesang von weiblichen Prachtstaffelschwänzen während der Brutzeit lockt Nesträuber an
Bei den australischen Prachtstaffelschwänzen (Malurus cyaneus) singt nicht nur das Männchen (links), sondern auch das Weibchen.
Bei den australischen Prachtstaffelschwänzen (Malurus cyaneus) singt nicht nur das Männchen (links), sondern auch das Weibchen.
© benjamint444 (Wikimedia) / Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de
Adelaide (Australien) - Bei unseren einheimischen Singvögeln singen meist nur die Männchen. Aber bei mehr als zwei Drittel aller Singvogelarten weltweit beteiligen sich auch die Weibchen am Gesang. Australische Biologinnen konnten jetzt am Beispiel von Prachtstaffelschwänzen nachweisen, dass ein ausgeprägter weiblicher Gesang mit Nachteilen für die biologische Fitness verbunden ist: Je öfter ein Weibchen in der Brutzeit und während der Aufzucht der Jungen singt, desto häufiger fallen Eier oder Küken Nesträubern zum Opfer. Für die Männchen, die nur in größerer Entfernung vom Nest singen, bestand dieser Zusammenhang nicht, berichten die Forscherinnen im Fachblatt „Biology Letters”. Bleibt die Frage, warum das ursprüngliche Merkmal des weiblichen Vogelgesangs im Lauf der Evolution nicht längst verloren ging, da es doch die Brut gefährdet.

Es sei eigentlich zu erwarten, dass ein starker Selektionsdruck das Gesangsverhalten der Weibchen in der Nähe des Nestes verändern würde, schreiben Sonia Kleindorfer von der Flinders University in Adelaide und ihre Kolleginnen. So wäre es von Vorteil, eine Bedrohung durch Nesträuber frühzeitig zu erkennen und das Verhalten daran anzupassen. Die Biologinnen beobachteten 72 freilebende Paare des Prachtstaffelschwanzes (Malurus cyaneus). Männchen und Weibchen dieses australischen Singvogels nutzen den Gesang zur Partnersuche und zur Markierung ihres ganzjährigen Reviers. Das Brüten übernimmt allein das Weibchen, während sich beide Eltern am Füttern der Jungen beteiligen.

Alle drei Tage wurden die Nester kontrolliert und für jeden Vogel die Zahl der Gesänge pro Stunde ermittelt. Die Gesangsrate war generell bei den Männchen etwas höher und erreichte bei beiden Geschlechtern in der Zeit vor der Eiablage die höchsten Werte. Sie halbierte sich während der Brutphase und sank danach noch weiter. Nur für die Weibchen ergab sich ein klarer Zusammenhang: Je höher die Gesangsrate während der Zeit des Brütens und Fütterns, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass Eier oder Küken von Nesträubern erbeutet wurden. Im Gegensatz zu den Männchen hielten sich die weiblichen Vögel beim Singen oft in der Nähe des Nestes auf. Die Hälfte sang sogar während des Brütens im Nest.

In einer zusätzlichen Versuchsreihe bauten die Forscherinnen in einem Naturschutzgebiet 45 künstliche Nester, in die sie jeweils ein Wachtel-Ei legten. Außerdem installierten sie Lautsprecher, über die sie Gesänge weiblicher Prachtstaffelschwänze mit geringer (sechs pro Stunde) oder hoher Rate (20 pro Stunde) abspielten. Jedes dritte Nest diente als Kontrolle und blieb stumm. Bei hoher Gesangsrate wurden 40 Prozent der Nester geplündert, bei geringer nur halb so viele. Die Kontrollnester blieben ganz verschont.

Offensichtlich lockt also der Gesang von Weibchen Nesträuber an. Vor der ersten Eiablage dienen die Gesänge beider Geschlechter der Partnersuche und Reviermarkierung. Noch ist ungeklärt, warum brütende und fütternde Weibchen überhaupt noch singen, wenn das mit Nachteilen für die Brut verbunden ist. Möglicherweise verstärkt ihr Gesang die Partnerbindung und damit die Versorgung der Küken. Oder der Vorteil dieses Verhaltens besteht darin, dass die Jungen so schneller den arttypischen Gesang erlernen, worauf Untersuchungen anderer Forscher hinweisen. Aber auch dann wäre es vorteilhafter, in der Nähe des Nestes nur dann zu singen, wenn die Luft rein ist.

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