Bakterielles Leben im Krankenhaus

Studie dokumentiert, wie Bakterien zwischen Patienten, Pflegepersonal und Oberflächen innerhalb eines Hospitals übertragen werden
In Krankenhäusern können sich multiresistente Formen von Staphylococcus aureus entwickeln (kolorierte rasterelektronenmikroskopische Aufnahme).
In Krankenhäusern können sich multiresistente Formen von Staphylococcus aureus entwickeln (kolorierte rasterelektronenmikroskopische Aufnahme).
© Janice Haney Carr / Centers for Disease Control and Prevention
Chicago (USA) - Jeder neu eingelieferte Patient bringt die Bakterien seines Körpers mit ins Krankenhaus. Er kommt aber auch in Kontakt mit anderen Keimen, die sich dort bereits ausgebreitet haben. Erstmals haben amerikanische Forscher jetzt genauer untersucht, wie sich die Bakterienpopulationen auf der Haut von Patienten und Pflegepersonal sowie auf den Oberflächen der Innenräume in einem neu eröffneten Hospital über einen längeren Zeitraum hinweg verändern. Ihre Ergebnisse legen die Grundlagen für verbesserte Schutzmaßnahmen, die lebensbedrohliche Infektionen durch Hospitalkeime verhindern sollen, erklären die Wissenschaftler im Fachblatt „Science Translational Medicine“.

„Vor der Eröffnung war das Artenspektrum an Bakterien im Hospital gering. Doch mit dem Einzug der Ärzte, Schwestern und Patienten wurden die bakteriellen Erstbewohner durch Hautbakterien verdrängt“, sagt Jack Gilbert von der University of Chicago. Ein ganzes Jahr lang sammelte und analysierte sein Forscherteam mehr als 10.000 Abstriche von Menschen und Oberflächen in zehn Krankenzimmern und anderen Räumen auf den Stationen für Chirurgie und Onkologie. Die Patientenabstriche stammten von den Händen, den Nasenlöchern und den Achselhöhlen. Beim Personal wurden auch Abstriche von der Bekleidung sowie den benutzten Stühlen, Computern und Telefonen genommen. Weitere Stellen für Probenahmen waren die Bettumrandung der Patienten, Wasserhähne in deren Zimmern, Fußböden und Luftfilteranlagen. Alle Krankenzimmer wurden täglich gereinigt und nach einer Entlassung desinfiziert.

In 6523 Abstrichen war bakterielle DNA nachweisbar und konnte bestimmten Keimarten zugeordnet werden. Bevor das neu gebaute Center for Care and Discovery der Universität den Betrieb aufnahm, fanden die Forscher auf den Oberflächen der Inneneinrichtung hauptsächlich Umweltkeime der Gattungen Acinetobacter und Pseudomonas. Schon kurz nach der Eröffnung dominierten dagegen typische Keime der menschlichen Hautflora, wie Corynebakterien, Staphylokokken und Streptokokken: Zwar wird am ersten Tag des Krankenhausaufenthalts die Haut eines Patienten zunächst von Bakterien aus seinem Krankenzimmer besiedelt. Doch ab dem zweiten Tag beginnen sich seine Hautbakterien zunehmend auf den Oberflächen seines Zimmers auszubreiten. Dadurch gleichen sich die Artenspektren von Hautflora und Zimmer mehr und mehr an. Darmkeime wie E. coli oder Enterokokken fanden sich nur in sehr geringen Keimzahlen.

Bakterien des Pflegepersonals wurden häufiger auf Patienten übertragen als umgekehrt. Eine intravenöse oder orale Verabreichung von Antibiotika, eine Chemotherapie oder Operation beeinflusste die Zusammensetzung der Hautflora eines Patienten nur wenig. Doch bei Patienten, die mehrere Monate im Krankenhaus verbrachten, zeigten sich Anzeichen dafür, dass sich genetisch veränderte Staphylokokken entwickelten, die möglicherweise gegen Antibiotika resistent geworden waren. Solche Keime könnten sich von harmlosen Hautbakterien in gefährliche Infektionserreger verwandeln, die auch andere Patienten gefährden würden. Aufgrund dieser Daten, so die Autoren, sollten nun Folgestudien untersuchen, wie die Entstehung und Übertragung solcher Hospitalkeime am besten verhindert werden kann.

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