Badekultur der alten Römer förderte Übertragung von Darmparasiten

Mangelnde Hygiene in Bädern, aber auch organische Düngung und eine spezielle Würzsauce könnten Infektionen durch Wurmeier und Amöben begünstigt haben
Römische Latrine in der antiken Stadt Lepcis Magna, Libyen
Römische Latrine in der antiken Stadt Lepcis Magna, Libyen
© Craig Taylor
Cambridge (Großbritannien) - Mit der Ausdehnung ihres Reiches brachten die Römer vor 2000 Jahren ihre Kultur und Technologien in die eroberten Gebiete. Dazu zählten auch eine verbesserte Trinkwasserversorgung, Kanalisation, Müllbeseitigung sowie öffentliche Bäder und Toilettenanlagen. Doch diese hygienefördernden Maßnahmen wirkten sich nicht, wie aus heutiger Sicht erwartet, positiv auf die öffentliche Gesundheit aus, berichtet jetzt ein britischer Archäologe im Fachblatt „Parasitology”. Demnach lieferten Funde von Ausgrabungen zumindest keinen Hinweis darauf, dass die Menschen in den von Römern beherrschten Gebieten seltener unter Darmparasiten wie Würmern und Amöben litten als die Bevölkerung in früheren Jahrhunderten. Eine erhöhte Infektionsgefahr in warmen Bädern, das Düngen mit menschlichen Fäkalien und eine beliebte, aus rohem Fisch hergestellte Gewürzsauce wären mögliche Erklärungen dafür.

„Wahrscheinlich haben die sanitären Anlagen der Römer die Bevölkerung nicht gesünder gemacht – aber möglicherweise haben die Menschen dadurch besser gerochen“, sagt Piers Mitchell von der University of Cambridge. Er verglich archäologische Daten über den Parasitenbefall von Menschen aus verschiedenen Regionen des römischen Reiches mit entsprechenden Daten von Funden aus Zeiten vor der römischen Herrschaft. Dabei ging es insbesondere um Hautparasiten sowie um Darmparasiten, die durch fäkale Verunreinigung übertragen werden. Die Funde stammten aus zehn Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Israel und Ägypten. Ausgrabungen von Jauche- und Müllgruben, Moorleichen und Mumien sowie versteinertem Kot ergaben Hinweise auf Band- und Spulwürmer oder den Erreger der Amöbenruhr (Entamoeba histolytica). Als das römische Reich expandierte, waren Spulwürmer (Ascaris lumbricoides), Peitschenwürmer (Trichuris trichiura) und Entamöben die vorherrschenden Darmparasiten. Da Wurmeier Jahrhunderte überstehen können, ist ein Wurmbefall mikroskopisch nachweisbar. Dagegen sind zum Nachweis von Amöben immunologische Testverfahren nötig. Durch Analysen von Kämmen oder Kleidungsresten und Proben aus Gräbern lässt sich ein Befall mit Läusen, Flöhen und Bettwanzen erkennen.

Die unter anderem durch Aquädukte verbesserte Wasserversorgung der Städte, Toiletten mit Wasserspülung und eine gesetzlich geregelte Beseitigung von Fäkalien aus den Straßen hätten eigentlich helfen können, die Häufigkeit von Infektionen durch Darmparasiten zu verringern – stattdessen sei sie allmählich gestiegen, sagt Mitchell. Auch die in den Badeanlagen praktizierte Körperpflege blieb offenbar ohne nachhaltigen Effekt: Läuse und Flöhe waren bei den Römern ähnlich stark verbreitet wie bei den Wikingern und Menschen des Mittelalters, die weniger Wert auf Körperreinigung legten. Als möglichen Grund für ein erhöhtes Risiko von Wurm- und Amöbeninfektionen nennt Mitchell die Warmwasserbecken der Bäder. Wenn das Wasser nicht oft genug gewechselt wurde, könnte das eine Übertragung der Parasiten begünstigt haben. Außerdem könnte eine Düngung von Feldern mit den frischen, in der Stadt gesammelten menschlichen Fäkalien dafür gesorgt haben, dass Nahrungsmittel mit Wurmeiern und Amöbenzysten kontaminiert wurden.

Überraschenderweise nahm in der Römerzeit der Befall durch Fischbandwürmer stark zu. Früher kamen diese Parasiten nur in Gebieten des heutigen Deutschlands und Frankreichs vor. Durch die Römer verbreiteten sie sich in vier weiteren Ländern. Das könnte auf die Beliebtheit einer römischen Gewürzsauce namens Garum zurückzuführen sein, die aus rohen Fischen hergestellt wurde. Dazu fermentierte man die in Salzlake eingelegten Fische wochen- bis monatelang in offenen Becken und stellte dann daraus eine Flüssigkeit her, die im ganzen Reich gehandelt wurde. Bei diesem Verfahren werden Wurmeier nicht abgetötet und können Darminfektionen beim Menschen auslösen. Die Ausbreitung des Fischbandwurms, sagt Mitchell, scheine ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass die Vergrößerung eines Reiches negative Konsequenzen für die Gesundheit haben kann.

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