Augen auf bei der Partnerwahl: Stark maskulines Gesicht spricht für schlechte Spermienqualität

Für Langzeitbeziehungen bevorzugen Frauen Männer mit weicheren Gesichtszügen – und entscheiden sich damit für einen Partner mit größerer Fruchtbarkeit
Frauen bewerteten die Attraktivität von Männern anhand von Portätfotos in Frontal- und Seitenansicht.
Frauen bewerteten die Attraktivität von Männern anhand von Portätfotos in Frontal- und Seitenansicht.
© Carles Soler et al.; Journal of Evolutionary Biology, Doi: 10.1111/jeb.12446, European Society for Evolutionary Biology
Burjassot (Spanien) - Signalisiert das attraktive Gesicht eines Mannes auch große Fruchtbarkeit und gesunde Kinder? Das kommt darauf an, ergab jetzt eine internationale Studie. Demnach sind Männer mit ausgeprägt maskulinem Gesicht weniger fruchtbar als Männer mit weicheren Gesichtszügen. Das widerspricht einer Hypothese, wonach die Stärke männlicher sekundärer Geschlechtsmerkmale auf die biologische Fitness schließen lässt. Die Erklärung: Einerseits profitierten Männer im Lauf der Evolution von maskulinen Eigenschaften, die sie durchsetzungsfähiger machen und zu einer höheren Rangstufe verhelfen. Andererseits wirkt sich der damit verbundene hohe Testosteronspiegel nachweislich negativ auf die Spermienproduktion aus. Interessanterweise bewerten Frauen stark maskuline Gesichter von Männern nur dann als sehr attraktiv, wenn sie keine dauerhafte Bindung eingehen wollen. Damit verhalten sie sich biologisch sinnvoll, wenn sie für eine Langzeitbeziehung Männer bevorzugen, die weniger dominant, dafür aber fruchtbarer sind, berichtet ein internationales Team von Biologen im „Journal of Evolutionary Biology”.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen der Attraktivität des Gesichts eines Mannes und dessen Samenqualität davon abhängen könnte, wie man ‚Attraktivität’ definiert“, schreiben Carles Soler von der Universitat de València und seine Kollegen. Geht es nur um ein kurzes sexuelles Abenteuer, wirkt auf Frauen ein maskulines Gesicht besonders anziehend. Dann gilt: Je attraktiver der Mann, desto schlechter die Qualität seiner Spermien. Dagegen schneiden bei der Suche nach einem dauerhaften Partner Männer mit weicheren Gesichtszügen besser ab und es gilt: Je attraktiver, desto fruchtbarer.

Im „Blickpunkt“ der Studie standen 50 Männer im Alter zwischen 18 und 36 Jahren. Deren Spermaqualität beurteilten die Forscher aufgrund von Beweglichkeit, Zellform und Konzentration der Spermien in der Samenflüssigkeit. Allein durch Betrachten eines Porträtfotos bewerteten 226 junge heterosexuelle Frauen und Männer aus Spanien und Kolumbien die Attraktivität der Gesichter auf einer Skala von 0 bis 10. Dabei sollten die Frauen an einen Partner für eine Langzeitbeziehung denken. Die Männer sollten abschätzen, wie attraktiv Frauen das jeweilige Gesicht bei der Partnersuche einstufen würden. Durch objektive Messungen ermittelten die Biologen, wie maskulin jedes Gesicht war. Dabei stellt vor allem die Gesichtsbreite – der Abstand zwischen den Backenknochen – ein entscheidendes Merkmal dar. Bekannt ist: Je breiter der Abstand, desto maskuliner das Gesicht und desto höher der Testosteronspiegel, der wiederum mit Eigenschaften wie Aggressivität, Dominanz und körperlicher Kraft verbunden ist.

Je männlicher die Gesichtsmerkmale, desto schlechter war die Samenqualität eines Mannes. Sie war dagegen umso besser, je attraktiver ein Gesicht von den Befragten eingestuft wurde. Sowohl Frauen als auch Männer beider Nationalitäten waren demnach in der Lage, vom Gesicht eines Mannes Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit zu ziehen. In einer früheren Studie hatten Frauen die Attraktivität männlicher Gesichter im Hinblick auf eine Kurzzeitbeziehung beurteilt – mit genau gegenteiligem Ergebnis: Stark maskuline Merkmale erschienen am attraktivsten und damit schnitten die Männer mit der schlechtesten Samenqualität am besten ab.

© Wissenschaft aktuell


 

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