Aufrechte Blüten bevorzugt

Nachtfalter unterscheiden bei der Nektarsuche zwischen Blüten, die nach oben oder zur Seite gerichtet sind
Braunwurzgewächse der Gattung Zaluzianskya sind hauptsächlich in Südafrika verbreitet.
Braunwurzgewächse der Gattung Zaluzianskya sind hauptsächlich in Südafrika verbreitet.
© Andrew massyn / Creative-Commons-Lizenz (CC BY-SA 3.0), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de
Irvine (USA) - Nicht nur Duft und Farben der Blüten weisen Insekten den Weg zur Nektarquelle. Auch ob die Blüten senkrecht zum Himmel zeigen oder seitwärts geneigt sind, kann für die Futtersuche der Bestäuber von großer Bedeutung sein. Das haben Biologen aus Südafrika, Deutschland und den USA am Beispiel zweier eng verwandter Pflanzenarten herausgefunden, deren Blüten sich in ihrer Ausrichtung unterscheiden. Nachtfalter aus der Familie der Schwärmer besuchten bevorzugt die Pflanzenart mit nach oben gerichteten Blüten. Wurden diese experimentell seitlich ausgerichtet, blieb der Blütenbesuch aus, berichten die Forscher im Fachjournal „New Phytologist”. Die Pflanzenart mit Blüten in horizontaler Orientierung hingegen wurde ausschließlich von Fliegen bestäubt. Die unterschiedliche Ausrichtung der ansonsten gleich gestalteten Blüten beider Pflanzen hat die Entwicklung zweier Arten erleichtert und verhindert eine spätere Hybridbildung.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Ausrichtung der Blüte das Verhalten des Bestäubers beeinflussen und so wesentlich dazu beitragen kann, die Vermischung zweier verwandter Pflanzenarten zu erschweren“, schreiben die Forscher um Diane Campbell von der University of California in Irvine. Damit sich im Lauf der Evolution eine Pflanzenart in zwei verschiedene Arten aufspalten kann, muss sich irgendeine Form der Barriere entwickeln, damit Pollen der einen Art nicht in die Blüten der anderen Art gelangen. Diese Barriere könnte beispielsweise darin bestehen, dass sich die Blüten zu unterschiedlichen Tageszeiten öffnen oder dass sie von verschiedenen Insekten bestäubt werden. Beides trifft zu auf die beiden jetzt untersuchten südafrikanischen Arten der Gattung Zaluzianskya aus der Familie der Braunwurzgewächse.

Zaluzianskya natalensis öffnet ihre Blüten nachts und wird von Schwärmern wie dem Großen Weinschwärmer bestäubt. Zaluzianskya microsiphon dagegen zeigt tagsüber geöffnete Blüten und lässt sich von Fliegenarten mit ungewöhnlich langem Saugrüssel bestäuben. Allerdings sind in den frühen Abendstunden die Blüten beider Pflanzenarten geöffnet. Doch auch dann besuchen die Schwärmer nur Z. natalensis-Pflanzen. Ursache dafür ist, wie die Biologen entdeckten, dass deren Blüten nach oben zeigen, während sich die von Z. microsiphon zur Seite neigen. Die senkrechte Ausrichtung verstärkt wahrscheinlich das optische Signal des weißen Anteils der Blütenblätter, das die Nachtfalter anlockt.

Einen möglichen Einfluss des Blütendufts konnten die Forscher ausschließen, indem sie Blüten von Z. microsiphon mit Duftstoffen der Schwesternart ausstatteten: Das Verhalten der Schwärmer änderte sich dadurch nicht. Als sie aber die normalerweise geneigten Blüten von Z. microsiphon aufrichteten, flogen die Schwärmer auch diese Blüten an. Umgekehrt sank das Interesse der Insekten an einem Blütenbesuch, wenn die normalerweise aufrechten Blüten von Z. natalensis in eine mehr horizontale Position gebogen wurden. Diese Ergebnisse zeigen erstmals, dass die bisher bei solchen Untersuchungen wenig beachtete Ausrichtung der Blüten ein wichtiges Signal für einen Bestäuber sein kann.

© Wissenschaft aktuell


 

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