Aufmerksamkeit spielend lernen

Eltern können Konzentration gezielt fördern: Gemeinsames Spiel und das Eingehen auf die Interessen des Kindes verlängern dessen Aufmerksamkeitsspanne
Mit Hilfe der auf dem Kopf angebrachten Kameras konnten die Psychologen verfolgen, worauf die Aufmerksamkeit von Kindern gerichtet war.
Mit Hilfe der auf dem Kopf angebrachten Kameras konnten die Psychologen verfolgen, worauf die Aufmerksamkeit von Kindern gerichtet war.
© Indiana University
Bloomington (USA) - Gutes Konzentrations- und Aufmerksamkeitsvermögen sind in Schule und Beruf von großem Vorteil. Die Fähigkeit, sich einer Sache länger widmen zu können, hängt auch von sozialen Faktoren ab. Der Grundstein dafür könnte schon im frühesten Kindesalter gelegt werden, haben zwei US-Psychologen jetzt in einer Studie mit Einjährigen herausgefunden. Die Kleinen widmen ihre Aufmerksamkeit länger einem Spielzeug, wenn die Eltern ihre Aufmerksamkeit ebenfalls auf das Objekt richten, schreiben die Forscher im Fachblatt „Current Biology”. Wer seinem Kind eine gute Konzentrationsfähigkeit mitgeben möchte, kann demnach schon im zartesten Alter damit anfangen, die Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern. Das gemeinsame Spiel und das Eingehen auf die Interessen des Kindes sind dabei von zentraler Bedeutung.

„Wir zeigen, dass sozialer Kontext und Interaktion eine Rolle spielen”, sagt Chen Yu von der Indiana University in Bloomington. „Wenn Eltern mit ihren Kindern mit Objekten spielen, verlängern sie die Dauer, die das Kind dem Objekt Aufmerksamkeit widmet, und das Kind erhält die Aufmerksamkeit dann aus sich heraus sogar noch einen Moment länger aufrecht.” „Dieser Effekt, tagein tagaus im Leben eines Kleinkinds, könnte die Quelle guter Konzentration und Aufmerksamkeit sein”, ergänzt Yus Kollegin und Co-Autorin Linda Smith.

Bisher gingen Psychologen davon aus, dass Aufmerksamkeit primär eine Eigenschaft des Gehirns ist, die von der individuellen Entwicklung abhängt. Daher wurde die Aufmerksamkeitsspanne in Experimenten für gewöhnlich in Versuchen mit einzelnen Personen untersucht. Yu und Smith beobachteten in ihrer Studie 36 Einjährige im Spiel mit ihren Eltern. Die Eltern waren völlig unvoreingenommen und wussten nicht, worum es in der Studie ging. Sie sollten einfach nur an einem Tisch mit ihrem Kind spielen, wobei verschiedene Gegenstände beziehungsweise Spielzeuge zur Verfügung standen. Mit Hilfe kleiner, auf dem Kopf von Kind und Elternteil angebrachter Kameras analysierten die beiden Psychologen, wohin Kinder und Eltern beim Spielen schauten und worauf deren Aufmerksamkeit gerichtet war.

Dabei stellten sie fest: Wenn die Eltern ein Spielzeug betrachteten und damit Aufmerksamkeit demonstrierten, dann hielten auch die Kleinen ihre Aufmerksamkeit für dieses Spielzeug länger aufrecht – sogar dann noch, wenn die Eltern bereits woanders hinschauten. Und je länger sich beide gemeinsam mit einem Spielzeug beschäftigten, desto länger dehnte sich die anschließende Aufmerksamkeitsspanne der Kinder aus. Diese zusätzliche Zeit konnte sogar viermal länger sein als bei Kindern, deren Eltern nur relativ kurz bei einer Sache blieben. Besonders gut hielten die Einjährigen ihre Aufmerksamkeit auf ein Objekt aufrecht, wenn die Eltern auf die Kinder eingingen, indem sie ihrerseits Interesse für einen Gegenstand zeigten, der bereits das Interesse der Kinder geweckt hatte. Dagegen war es eher kontraproduktiv, wenn die Eltern krampfhaft die Aufmerksamkeit für ein Spielzeug erwecken wollten. Die kürzesten Aufmerksamkeitsspannen beobachteten Yu und Smith jedoch bei Kindern, deren Eltern sich nur sehr wenig am Spiel beteiligten, sich stattdessen zurücklehnten oder einfach woanders hinschauten.

Die Aufmerksamkeitsspannen der Einjährigen bewegten sich zwar lediglich im Bereich weniger Sekunden, aber der Effekt war dennoch eindeutig. Und tagtäglich und über einen längeren Zeitraum hinweg – und insbesondere in entscheidenden Entwicklungsphasen – wächst der nützliche Effekt, vermutet Yu. Die Aufmerksamkeit aufrechterhalten zu können, so der Psychologe, spiele für den Erfolg in der Schule eine Rolle. Diese Fähigkeit so beeinflussen zu können, eröffne Möglichkeiten, individuelle Unterschiede besser zu verstehen und vielleicht sogar deren Entwicklung beeinflussen zu können.

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