Attraktivität: Ein Fest für die Sinne

Metastudie zeigt, dass Schönheit nicht nur im Auge des Betrachters liegt, sondern auch in dessen Nase und Ohr
Nicht nur die Optik spielt eine Rolle für die Attraktivität.
Nicht nur die Optik spielt eine Rolle für die Attraktivität.
© Creative Commons CC0 Public Domain, Pexels
Breslau (Polen) - So mancher hat es sicher längst geahnt, doch mittlerweile ist es auch wissenschaftlich immer stärker belegt: Nicht nur das Aussehen bestimmt, wie anziehend jemand ist, sondern auch Geruch und Stimme spielen eine Rolle. Das bekräftigt ein internationales Forscherteam, das bisherige Untersuchungen zum Thema Attraktivität zusammenfassend analysiert hat. Im Fachblatt „Frontiers in Psychology” präsentieren die Wissenschaftler in ihrer Metastudie eine Reihe von Belegen, die untermauern, wie wichtig die Stimme, der Körpergeruch sowie das Erscheinungsbild von Gesicht und Körper für die Wahrnehmung von Schönheit und die Partnerwahl sind.

„In jüngster Zeit haben sich die meisten Metastudien auf die visuelle Attraktivität konzentriert – zum Beispiel auf die Attraktivität von Gesicht oder Körper”, erläutert Erstautorin Agata Groyecka von der Universität Breslau. „Allerdings ist die Literatur über die anderen Sinne und deren Rolle für soziale Beziehungen rapide gewachsen und sollte nicht vernachlässigt werden.” Andere Menschen über alle drei Kanäle wahrzunehmen, also über Erscheinungsbild, Stimme und Geruch, liefere verlässlichere und breitere Informationen, so die Psychologin. Gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland, Großbritannien, Tschechien und den USA durchforstete Groyecka die wissenschaftliche Literatur der vergangenen 30 Jahre nach jenen neurologischen Untersuchungen und Verhaltensstudien, die sich mit der Wirkung von Stimme und Körpergeruch auseinandergesetzt hatten.

Zu hören und zu riechen, das zeigen die gesammelten Ergebnisse der bisherigen Publikationen, liefert ebenso eine Menge an Informationen darüber, wie attraktiv jemand wahrgenommen wird. Manche Erkenntnisse liegen auf der Hand. So ist leicht nachvollziehbar, dass allein anhand der Stimme ein Eindruck entsteht, welches Geschlecht und ungefähres Alter jemand hat. Doch die Stimme verrät noch sehr viel mehr: Zuhörer können die Körpergröße ebenso einschätzen wie die Gefühlslage und sogar unterschiedliche Charakterzüge, etwa wie dominant oder kooperativ jemand ist. Und der Geruchssinn liefert ganz ähnliche Informationen, belegen andere Studienergebnisse. Untersuchungen des Hirns mit bildgebenden Verfahren legen zudem nahe: Arbeiten die Sinne zusammen, entstehen sogar echte Synergien. Die Eindrücke addieren sich also nicht einfach nur. Sie zeichnen ein viel ausdrücklicheres Bild als schlicht die Summe der einzelnen Sinneswahrnehmungen ergeben würde.

Außerdem beleuchten Groyecka und ihre Kollegen noch, inwiefern sich die Wahrnehmung anderer über mehrere Sinne im Laufe der Evolution als günstig erwiesen haben könnte. Ein Vorteil wäre etwa, dass man mit Stimme und Äußerem zwei Aspekte von Anziehungskraft hat, die von Weitem erkennbar sind, während der Geruch dann in der unmittelbaren Nähe ins Spiel kommt. „Attraktivität spielt eine zentrale Rolle für die nonverbale Kommunikation zwischen Menschen und wurde in unterschiedlichen Bereichen der zeitgenössischen Psychologie ausführlich untersucht”, schreiben die Forscher. Akustische und olfaktorische Hinweise könnten, einzeln oder in Kombination, die wahrgenommene Attraktivität stark beeinflussen und damit auch die persönliche Einstellung und das Verhalten gegenüber anderen. „Ich hoffe”, sagt Groyecka, „dass diese Metastudie Forscher dazu inspirieren wird, die Rolle von Hören und Riechen für soziale Beziehungen näher zu untersuchen.”

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