Aaskäfer: Sexuallockstoff verrät auch körperliche Fitness

Männchen des Schwarzhörnigen Totengräbers, die groß, gut genährt, älter oder parasitenfrei sind, locken die meisten Weibchen an
Der Schwarzhörnige Totengräber (Nicrophorus vespilloides) vergräbt Kadaver kleiner Säugetiere, die dem Weibchen und den Larven als Nahrung dienen.
Der Schwarzhörnige Totengräber (Nicrophorus vespilloides) vergräbt Kadaver kleiner Säugetiere, die dem Weibchen und den Larven als Nahrung dienen.
© Shutterstock, Bild 156130106
Ulm - Weitreichende Sexuallockstoffe von Insekten dienen nicht nur dazu, einen Sexualpartner zu erkennen und dessen Standort auszumachen. Die Pheromone können auch Informationen über Alter, Körpergröße und Gesundheit des Senders übermitteln, berichten deutsche Biologen. Ihre Experimente mit Aaskäfern zeigten, dass die Männchen – je nach körperlicher Verfassung – unterschiedliche Mengen und Mischungen zweier Duftstoffe als Pheromon freisetzen. Dadurch wurden Weibchen teils mehr, teils weniger stark angelockt. Die chemische Botschaft ermöglicht es den Weibchen demnach auch, bereits aus der Ferne den Partner mit der größten biologischen Fitness auszuwählen, schreiben die Forscher im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B”.

„Unsere Arbeit liefert starke Hinweise darauf, dass über große Entfernungen wirkende Sexualpheromone auch Informationen enthalten, die zuverlässig die Qualität eines Männchens anzeigen“, erklären Sandra Steiger und Kollegen von der Universität Ulm. Die Biologen untersuchten die Pheromonproduktion und das Verhalten des Schwarzhörnigen Totengräbers (Nicrophorus vespilloides). Diese Aaskäfer vergraben tote Kleinsäuger, die dann als Nahrungsvorrat für ihre Jungen dienen. Spätnachmittags setzt das Männchen etwa zwei Stunden lang Pheromone frei, um ein Weibchen anzulocken. Das geschieht mit hochgestrecktem Körperende in einer Art Kopfstand, so dass Videoaufnahmen die Dauer der Duftstoffproduktion registrieren können. Das Pheromon ist ein Gemisch aus zwei Bestandteilen. Durch chemische Luftanalysen ermittelten die Forscher die Gesamtmenge und das Mengenverhältnis beider Komponenten.

Zunächst verglichen sie die Pheromonproduktion von Käfern, die sich in Alter, Größe, Ernährungszustand und Parasitenbefall unterschieden. Jeder dieser Faktoren hatte Auswirkungen auf die Menge von einem oder beiden der erzeugten Lockstoffe. Dagegen war die Dauer der Freisetzung in allen Fällen etwa gleich. Um den Effekt der unterschiedlichen Lockstoffbildung unter natürlichen Bedingungen zu prüfen, verteilten die Biologen Käferfallen in einem Wald. Dabei diente jeweils ein männlicher Aaskäfer als „Köder“. Tägliche Kontrollen ergaben, wie viele Weibchen jedes Männchen angelockt hatte.

Gut ernährte Männchen produzierten mehr Pheromone als ausgehungerte und lockten dreimal so viele Weibchen an. Auch ältere oder größere Männchen und solche, die weniger von Milben und Fadenwürmern befallen waren, hatten bei der Partnersuche mehr Erfolg als die anderen. Die größere Attraktivität beruhte insbesondere auf einer verstärkten Produktion eines der beiden Duftstoffe, dessen Erzeugung aufwendiger ist. So war der Anteil dieses Bestandteils bei älteren Käfern höher als bei jungen, was die Anziehungskraft auf die Weibchen verdoppelte. Ein hohes Alter zeigt gute Gene an, die ein so langes Überleben ermöglicht haben. Ein weiterer Grund, weshalb Weibchen ältere Sexualpartner bevorzugen: Diese versorgen den gemeinsamen Nachwuchs besser, was den Fortpflanzungserfolg erhöht.

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